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Coenonympha oedippus
Coenonympha oedippus, © Ulrich Hiermann
Coenonympha oedippus
Coenonympha oedippus, © Ulrich Hiermann

Rote Liste Schmetterlinge 2022

Rote Liste Schmetterlinge 2022

Huemer, P., Rüdisser, J., Hiermann, U., Lechner, K., Mayr, T., Ortner, A. & Friebe, J. G. (2022): Rote Liste gefährdeter Schmetterlinge Vorarlbergs (Neubearbeitung). – Rote Listen Vorarlbergs, 11: 210 S.; Dornbirn (inatura).

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Vorwort

Biodiversität ist mehr als seltene Arten!

Die vom Menschen verursachte globale Biodiversitätskrise hat inzwischen dramatische Ausmaße angenommen. Wird nicht massiv gegengesteuert, dann könnten bereits in den nächsten Jahrzehnten eine Million von weltweit insgesamt rund acht Millionen vorkommenden Arten ausgerottet werden. Bereits jetzt ist die Aussterbegeschwindigkeit hundert bis zehntausend Mal größer als das im Laufe der letzten 10 Millionen Jahre der Fall war. 

Rote Listen dokumentieren diese voranschreitende Erosion der Biodiversität auf internationaler, nationaler und regionaler Ebene. Das tatsächliche Verschwinden einer Art – sei es nun regional oder global, also in seiner unumkehrbaren und finalen Form – stellt allerdings nur den Endpunkt einer zumeist langwierigen Entwicklung dar. Rote Listen geben, insbesondere in einer zusammenfassenden Gesamtschau – also über viele Arten hinweg – wichtige Hinweise, wo der Biodiversitätsrückgang besonders groß ist. Sie stoßen im Kontext der umfassenden Biodiversitätskrise aber als Hilfsmittel der praktischen Naturschutzarbeit auch sehr schnell an ihre Grenzen. Es geht heute beim Natur- und Biodiversitätsschutz nicht etwa nur darum, die eine oder andere seltene Art zu schützen, sondern um den Erhalt von Biodiversität insgesamt. Biodiversität – also die genetische Vielfalt innerhalb einer Art, die Vielfalt der Arten und Lebensräume sowie der darin ablaufenden Prozesse – ermöglicht einerseits das Funktionieren von Ökosystemen, und andererseits vor allem auch deren Anpassung an sich ändernde Umweltbedingungen, wie beispielsweise dem vom Menschen verursachten Klimawandel. Ein umfassender Schutz der Biodiversität ist nicht zuletzt für den Erhalt der Lebensqualität des Menschen von essentieller Bedeutung. Insbesondere im Kontext vieler wichtiger Ökosystemleistungen wie beispielsweise der Bestäubung ist der (noch unzureichend) dokumentierte Rückgang an sich häufiger Arten von besonderer Bedeutung.

In den letzten Jahrzehnten ging etwa die Anzahl der terrestrischen Insekten in Europa alle zehn Jahre im Durchschnitt um 9 % zurück. Leider gibt es für Österreich bisher kaum belastbare Daten zur Entwicklung von Insektenpopulationen, da ein entsprechendes Monitoring fehlt bzw. erst im Planungsstadium ist, oder sich ausschließlich auf Kulturlandschaft beschränkt. Einzig für die Gruppe der Tagfalter wird in Tirol seit 2017 und in Vorarlberg seit 2020 mit dem Viel-Falter Tagfalter-Monitoring ein systematisches Monitoring durchgeführt. Weitere systematische und fortlaufende Erhebungen zum Vorkommen, zum Zustand und zur Entwicklung von Arten und deren Populationen werden als basales Instrument einer ergebnisorientierten Bewertung von umweltgerechter, ökologischer Bewirtschaftung und somit für den effektiven Schutz der Biodiversität dringend benötigt. Die daraus gewonnenen Ergebnisse sollten in Zukunft auch die Grundlagen für die Erstellung und Aktualisierung Roter Listen weiter verbessern.

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