Schildläuse gesucht!

Ich möchte mich zunächst vorstellen: ich heiße Andreas Kahrer, bin Entomologe und war beruflich an der österreichischen Ernährungsagentur (AGES) tätig. Seit November bin ich in Pension und kann mich nun wieder mehr meinem eigentlichen Fachgebiet, der Entomologie widmen. Ich hatte mich in den letzten Jahren gelegentlich mit der Identifizierung von Schildläusen auseinanderzusetzen, da es an meiner Dienststelle häufig Anfragen zu diesen hochinteressanten Insekten gab. Ich hatte dadurch die Möglichkeit, die Sammlung der AGES weiterzuführen bzw. aufzubauen, wo dies nötig war. Österreich ist schildlausmäßig ja noch wenig bearbeitet - hauptsächlich von Spezialisten aus den Nachbarländern (Kozar, Schmutterer, ...). Auch die Typenfundorte einiger weniger Arten liegen in Österreich. Ich denke, dass es bei uns in dieser Richtung daher noch einiges Interessantes zu entdecken gäbe. Die Sammlungen am Naturhistorischen Museum in Wien bestehen laut Herbert Zettel hauptsächlich aus historischen Exemplaren, teils trocken, teils in Alkohol und teils aus mikroskopischen Präparaten. Wie es mit den Landessammlungen aussieht, weiß ich gar nicht. Ich plane, in den nächsten Jahren nach Maßgabe meiner Möglichkeiten in Österreich zu sammeln und auch bereits gesammeltes Material zu präparieren und zu identifizieren. Die dazu notwendigen Arbeiten werde ich zu Hause durchführen, gelegentlich auch am Naturhistorischen Museum dank dem Entgegenkommen der Verantwortlichen Ich ersuche euch, falls ihr Schildläuse findet, mir diese zuzusenden. Am auffälligsten sind Schildläuse an Zimmerpflanzen. Aber es gibt auch zahlreiche Arten, die bei uns autochthon vorkommen - diese interessieren mich natürlich am meisten. Sammelhinweise auf der nächsten Seite dieses Schreibens.

Sammelhinweise

Es gibt zahlreiche Schildlausfamilien, die bekanntesten und häufigsten sind die Napfschildläuse (Pulvinaria, Lecanium, ……), Deckelschildläuse (zahlreiche Arten z.B. an Heidelbeeren, Flieder, Rosen, Misteln, Eschen, Föhren…), Wollschildläuse (an Ahorn, Fiederzwenke, ...) und Schmierläuse (oft unter Rinde, in Blattscheiden oder im Wurzelbereich, …). Meist leben sie nur an mehrjährigen Wirtspflanzen und saugen hier an Stamm oder Zweigen, selten auch an Blättern oder Wurzeln. Man muss schon genau hinsehen, bis man sie entdeckt. Gute Hinweise liefern Honigtau, Rußtau, Ameisen und die Ausscheidungsprodukte von weißem, gelblichem bis zu schwärzlichem Wachs: dieses wird als Wachswolle (Körperanhang), als Ovisac oder in Form von Schilden abgesondert. Bei Napfschildläusen benötigt man junge Weibchen zu deren Identifizierung, bevor sich der Hinterleib kugelförmig aufwölbt. Zur Identifizierung muss man unbedingt ein mikroskopisches Präparat anfertigen, hierbei spielen die unterschiedlichsten Formen ihrer Wachsdrüsen eine hervorragende Rolle. Das interessanteste bei Schildläusen ist sicherlich ihre mannigfaltige Lebensweise und die Anpassungen, die es ihnen ermöglichen, unerkannt zu bleiben. Ich hoffe, ich habe euch den Mund wässrig gemacht zur Schildlaussuche – oder ihr wollt auch bloß wissen, wer der Verursacher eurer befallenen Bäume oder Sträucher ist.

Ich würde mich freuen, wenn ihr mir eure Funde zusenden könntet. Am besten mitsamt Blättern, Nadeln oder Zweigen in Zeitungspapier, Küchenrolle, o.ä. einschlagen und in einem Polsterkuvert an mich schicken.

Bei Fragen steht Ihnen gerne Herr Dr. Andreas Kahrer  zur Verfügung.

Bitte schicken Sie Ihre Funde an:
Dr. Andreas Kahrer
c/o 2. Zoologische Abteilung
Naturhistorisches Museum Wien
Burgring 7
A-1010 Wien
andreas.kahrer(at)nhm-wien.ac.at

 Abb: Schildläuse können sehr unterschiedlich aussehen. Oben sind verschiedene Arten an ihren Wirtspflanzen abgebildet. Es handelt sich um Pulvinaria vitis (Napfschildläuse = Coccidae), Carulaspis visci (Deckelschildläuse = Diaspididae), Ferrisia sp. (Schmierläuse = Pseudococcidae), Eulecanium tiliae (Coccidae) - von oben nach unten. Männchen sehen dagegen fast immer völlig anders aus und besitzen