inatura Dornbirn

Herbarbogen mit Cicuta virosa - Wasserschierling

Herbarbogen mit Cicuta virosa - Wasserschierling - © inatura / Georg Friebe

Der Herbarbogen mit der Inventarnummer B 21014 enthält ein getrocknetes Blatt einer der gefürchtetsten Pflanzen Europas, des hochgiftigen Wasserschierlings.

Cicuta virosa enthält besonders in seinem gekammerten Wurzelstock das hochgiftige Polyin Cicutoxin. Schon 2 - 3 g des getrockneten Rhizoms sollen die für einen Menschen tödliche Menge des Giftes enthalten.
 
 
Der Beleg von Cicuta virosa wurde vom Bregenzer Privatgelehrten Johann Schwimmer angelegt, von dem der Großteil der Herbarbelege der inatura stammt. Der Fundort ist auf der Etikette mit "Höchst, Oberer Lochsee" angegeben, gesammelt wurde die Pflanze am 4. Juni 1950.

Neben dem trockenen Pflanzenmaterial findet sich ein vom Sammler mit Maschine geschriebener Brief sowie eine Seite der "Vorarlberger Nachrichten" vom 20. September 1945. Letztere enthält einen Artikel mit dem Titel "Der giftige Wasserschierling als Todesursache erkannt". Darin wird von vier tödlichen und weiteren acht leichten bis schweren Vergiftungen am 9. und 10. August 1945 in Dornbirn berichtet.

Der damalige Innsbrucker Gerichtsmediziner nahm als wahrscheinliche Vergiftungsursache die Verwechslung von Liebstöckel oder Sellerie mit Wasserschierling an.

Johann Schwimmer war eine der wenigen Personen, die ein oder mehrere Vorkommen dieser seltenen Sumpfpflanze im Land kannten. Als hervorragender Botaniker wusste er auch, dass der Wasserschierling mit Sicherheit in keinem Vorarlberger Garten zu finden wäre, und begann eigene Recherchen. Zu diesem Zweck nahm er nicht nur Kontakt mit der örtlichen Gendarmerie, sondern auch mit der Innsbrucker Gerichtsmedizin auf. Schließlich führte ihn eine Exkursion zusammen mit vier Apothekern an den Oberen Lochsee bei Höchst. Bei dieser Gelegenheit wurde auch von seinen Begleitern bemerkt, dass "eine Ähnlichkeit der Pflanze mit Sellerie oder Petersilie nicht feststellbar" sei. So wurde diese Pflanze, die heute in Vorarlberg höchstwahrscheinlich ausgestorben ist, rehabilitiert. Einer nachträglich von Johann Schwimmer seinem Brief beigefügten Notiz zufolge habe sich am Ende herausgestellt, dass die Opfer an einer Vergiftung durch Vieh- bzw. "Glaubersalz" gestorben seien. So dokumentiert der Sammlungsbogen mit der Nummer B.21014 die Aufklärung von vier rätselhaften Todesfällen. Indem "denaturiertes Salz" als Ursache bekannt gemacht wurde, könnten vielleicht sogar weitere Vergiftungsfälle verhindert worden sein.

 

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