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Vogelsterben: Von Geißeltierchen, Salmonellen und Pilzen

Immer wiederkehrendes Vogelsterben befassen Wissenschaftler in ganz Mitteleuropa. Die Erforschung der ursächlichen Erkrankungen ist ungemein schwierig. Der Nachweis von Parasiten oder Keimen bei einzelnen Vögeln ist dabei die leichteste Aufgabe. Weit heikler ist es, vom Vorhandensein einzelner oder mehrerer Parasiten auf die tatsächliche Todesursache bei den Vögeln zu schließen. Auch nachweisliche Organschäden lassen nur bedingt Rückschlüsse auf deren Ursachen und Folgen zu.
In Nord- und Mitteldeutschland gab es bereits im Frühsommer 2009 ein Massensterben bei Singvögeln, vor allem Grünfinken waren betroffen. Das Staatliche Veterinär-Untersuchungsamt Arnsberg (D) stellte einen Befall der Tiere mit Trichomonas gallinae fest. Dieser Einzeller aus der Gruppe der Flagellaten (Geißeltierchen) ist Taubenzüchtern wohlbekannt. Der Parasit siedelt sich in der Mundhöhle, der Speiseröhre, dem Kropf und auch im Blinddarm von Tauben, Hühnern und anderen Vögeln an.
Der Name „Gelber Kropf“ verweist auf gelblich-käsige Beläge im Kropf und auf der Rachenschleimhaut der befallenen Vögel. Gerade Jungvögel reagieren mit Verdauungsstörungen, Appetitlosigkeit, Problemen bei der Nahrungs- und Wasseraufnahme bis hin zu Lebernekrosen und Tod. Erkrankte Tiere sind apathisch und matt und leiden an Atemnot. Altvögel sind oft nur Träger dieser Parasiten, ohne Krankheitssymptome zu zeigen. Im Zuge der Kropffütterung übertragen sie die Trichomonaden allerdings auf ihre Jungen.
Im Jänner 2010 begann in Süddeutschland und Teilen Österreichs ein weiteres Vogelsterben, betroffen waren fast ausschließlich Erlenzeisige. Die Vogelklinik Oberschleißheim (D) konnte eine Salmonelleninfektion als Ursache dafür ermitteln. Zum einen wurden die Erreger selbst in den Vögeln bzw. in deren Ausscheidungen nachgewiesen, zum anderen auch Organschäden als Folge dieser bakteriellen Erkrankung. Bekannt ist, dass Erlenzeisige empfindlich auf Salmonellen reagieren. Die äußeren Symptome der Salmonellose bei den Singvögeln sind nahezu ident mit dem Krankheitsbild der Trichomonose. Andere Vogelarten wie Hühner sind zwar oft Salmonellenträger, zeigen aber keine Krankheitssymptome. Salmonellen können auch auf den Menschen und Haustiere übertragen werden.
Studien der Veterinäruniversität Wien zeigten, dass verstorbene Singvögel auch mit einem stäbchenförmigen Pilz namens Macrorhabdus ornithogaster infiziert waren. Dieser siedelt sich im Verdauungstrakt (v.a. im Drüsenmagen) von Vögeln an, greift die Magenschleimhäute massiv an und führt zum sogenannten Going-Light-Syndrom. Die betroffenen Vögel fressen zwar ausreichend weiter, können die Nahrung aber nicht aufschließen. So werden sie zusehends schwächer und verhungern letztendlich. Auch von dieser Pilzinfektion ist bekannt, dass nur ein Teil der befallenen Vögel Krankheitssymptome zeigt. Allerdings kann es leicht zu Sekundärinfektionen mit Bakterien (z.B. Salmonellen) kommen, in deren Folge die Vögel dann erkranken und verenden. Die Macrorhabdiose ist erst seit 30 Jahren bekannt, ursprünglich wurde der Erreger den Bakterien („Megabakterien“) zugeordnet. Wellensittiche und andere Kleinvögel in Käfighaltung leiden häufig an dieser Krankheit, eine vollständige Heilung ist auch mit Medikamenten kaum möglich, es kommt oft zu einem chronischen Krankheitsverlauf.
Die aufgezeigten Beispiele zeigen deutlich, wie schwierig die Analyse von Infektionen bei Wildvögeln ist. Der alleinige Nachweis eines Erregers lässt tatsächlich nur selten Schlüsse auf eine Erkrankung der Vögel zu. Die Keime selbst sind je nach Erregerstamm sehr unterschiedlich in ihrem Vermögen, Krankheiten auszulösen (Pathogenität). Unterschiedliche Vogelarten als Wirte reagieren zudem sehr variabel auf ein und denselben Erreger. Oft wird erst ein Zusammenwirken mehrerer unterschiedlicher Keime für die Vögel fatal. Auch zusätzliche äußere Faktoren wie Stress (z.B. beim Vogelzug) werden für den Ausbruch solcher Infektionskrankheiten mitverantwortlich gemacht.
Gemeinsam ist den beschriebenen Erregern, dass sie hoch infektiös sind. Sie alle werden oral-fäkal zwischen den Vögeln verbreitet. Verunreinigte Vogeltränken und verkotete Futterstellen, an denen sich kurzzeitig viele Vögel auf engstem Raum versammeln, werden so zu Todesfallen.
