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Ein "verkabelter" Hirsch

Immer wieder müssen Tiere durch den Unverstand des Menschen ihr Leben lassen. Waren es früher Schlagfallen, in denen Tiere jämmerlich zugrunde gingen, so lauern heute andere Gefahren. Eine außergewöhnliche "Trophäe" in der Sammlung der inatura berichtet vom Todeskampf eines Hirsches. Um sein Geweih haben sich etliche Meter Stahlseil gewickelt.
Doch lassen wir den Überbringer, Jagdaufseher Josef Burtscher, selbst zu Wort kommen:
"Ende Mai d.J. [= 1995 (Anm.)] verständigte mich der Bahnmeister von Dalaas, dass im Revierteil Steinbruch meines Aufsichtsgebiets Innerbraz ein verendeter Hirsch aufgefunden worden sei. Mit Entsetzen musste ich am angegebenen Standort erfahren, welche Tragödie sich hier, vermutlich im Spätsommer des vergangenen Jahres, abgespielt hatte.

An einem 6 mm starken Stahlseil, welches als Zugseil für eine Materialseilbahn verwendet wurde und lose im Gesträuch hing, hatte sich ein Hirsch mit seinem Geweih gefangen. Bei seinem Versuch, sich davon zu befreien, wickelten sich ca. 50 m des Drahtseiles um Geweih und Träger, weitere 100 m hatten sich im Gestrüpp verfangen. Eine Haselnussstaude wurde zum Marterpfahl des Hirsches. Dort war das Erdreich bis auf den Boden abgetreten. Das Ende der linken Stange war so in die Haselnussstaude eingedreht, dass ein Entkommen nicht mehr möglich war. Man kann nur erschauernd ahnen, wie lange der mittelalte Hirsch um sein Leben gekämpft hat, ehe er aus Erschöpfung, Wassermangel oder Hunger verendet ist."
aus: Vorarlberger Jagd und Fischerei, 23(6): 16, Feldkirch, 1995.