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Typusfossilien - die "Urmeter" der Paläontologie
Die wichtigsten Sammlungsstücke an einem Naturmuseum sind die "Typen", die eine Tier- oder Pflanzenart - sei es fossil oder rezent - definieren. Wird eine neue Art beschrieben, so verlangen die internationalen Regeln zur zoologischen bzw. botanischen Nomenklatur, dass in einer öffentlichen Sammlung (Museum, Universität) ein Typusexemplar deponiert wird, das als "Urbild" dieser Art gilt. Neben diesem Holotypus können in der Originalpublikation mehrere Paratypen genannt werden (etwa um die Variationsbreite zu dokumentieren). Alle späteren Funde werden mit diesen Typen verglichen. Denn verbale Beschreibungen sind subjektiv und können nie das gesamte Aussehen beschreiben, und auch Fotos können das Original nicht ersetzen. Die Fossiliensammlung der inatura beherbergt derzeit 11 Holotypen und 33 Paratypen.
Lytoceras fusseneggeri
Ein wissenschaftlicher Name ist nur dann gültig, wenn er in einer anerkannten Fachzeitschrift unter Einhaltung der Regeln veröffentlicht wurde. Fast jede Sammlung beherbergt aber auch Stücke mit ungültigen Namen.
Der oben abgebildete Ammonit wurde von Walter Biese Anfang der 30er-Jahre in Berlin bearbeitet. 1934 musste Biese aus politischen Gründen nach Chile auswandern. Seine Studie über die Fossilien der Kalkalpen Vorarlbergs blieb unvollendet, die vermutlich neuen Arten wurden nie publiziert. Lytoceras fusseneggeri ist somit ein ungültiger Sammlungsname.
Pseudoglyphea alpina
Im Sommer 1965 fand ein Fossiliensammler im Lechquellengebiet Reste eines Krebses aus den Kössener Schichten (Obertrias, ca. 210 Mill. Jahre). Aufgrund des schlechten Erhaltungszustandes wurde das Fossil zunächst für unbestimmbar gehalten. 1969 wurde es im Tausch gegen eine geologische Karte des Rätikon erworben.
Mit Reinhard Förster (Bayerische Staatsammlung für Paläontologie München) konnte der damals führende Spezialist für Krustentiere des Erdmittelalters als Bearbeiter gewonnen werden. Seine Beschreibung ist notgedrungen unverständliches Fachchinesisch: "Cephalothorax in Seitenlage, wahrscheinlich Häutungsrest; Beine zusammen mit Sternum vom Carapax losgelöst; besonders distale Glieder durch Verwitterungseinflüsse stärker zerstört. Hepaticalregion vom Merus des 1. Pereiopoden bedeckt" heißt übersetzt, dass Panzer, Brustregion und Beine getrennt sind. Teile eines Schreitbeines verdecken wichtige Bestimmungsmerkmale des Panzers. Dennoch konnte Förster das Stück eindeutig von den bisher bekannten Arten unterscheiden und somit als neue Art erkennen.
Gerade dieses Stück zeigt, wie wichtig eine vollständige Dokumentation mit Publikationsvermerken ist. Ein Praktikant hatte es im Glauben, es sei noch unbearbeitet, zu Studienzwecken an die Universität Innsbruck gebracht. Hätte sich dieses Missverständnis nicht aufgeklärt, so wäre das Fossil vielleicht unter neuem Namen ein weiteres mal beschrieben worden!
