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Topas, Wirbelsteine, Zungensteine
Topas
Der Topas erkennt Gift, hilft bei Sehschwäche, Aussatz, Erkrankungen der Milz und Fieber:
Wenn jemand Fieber hat, grabe er mit dem Topas drei kleinere Gruben in ein weiches Brot, giesse reinen Wein in dieselben und fülle, wenn der Wein versickert ist, von neuem Wein nach. Dann betrachte er sein Gesicht in dem Wein, den er in die Gruben gegossen hat, wie in einem Spiegel und spreche: »Ich sehe mich an wie in dem Spiegel, in dem Cherubim und Seraphim Gott anschauen, auf dass Gott dieses Fieber von mir vertreibe«.
(HILDEGARD VON BINGEN, zw. 1150 u. 1158)
Der Topas schützt weiters vor Räubern und Dieben und besänftigt siedendes Wasser. Letzteres wurde allerdings schon im Mittelalter angezweifelt:
Den rehten topazius
den hoere ich loben alsus,
er si bezzer denne zwelf marc:
sin tugent diu si also stark,
swie sere ein wazzer walle,
ez laz den wal mit alle,
werde er geworfen dar in.
nu sehet wie wise ich denne bin:
ich erwer im ouch sin wallen wol.
ein schüzzel kalten wazzers vol,
die nimm ich unde guizes dar
so laet ez ouch sin wallen gar.
(übertragen etwa: Ich höre, dass der echte Topas so sehr gelobt wird, dass er mehr als zwölf Mark wert sei: Seine Tugend sei so stark, dass (kochendes) Wasser, wie sehr es auch walle, sofort zu wallen aufhört, wenn er hineingeworfen wird. Nun seht, wie weise ich bin: auch ich verwehre dem Wasser sein Wallen. Eine Schüssel voll kalten Wassers nehme ich und schütte es hinein: so hört es zu wallen auf.)
(Der STRICKER, 1. Hälfte 13. Jhdt.)
Wirbelsteine
Als Wirbelsteine (in Oberösterreich auch Wirfelsteine genannt) wurden alle Steine bezeichnet, die eine spiralige Einrollung besitzen. Zumeist handelt es sich dabei um Ammoniten und um Schnecken der Familie um Actaeonella.
Sie wurden in Brunnentröge gelegt, um die daraus trinkenden Schafe vor der Drehkrankheit zu schützen. Diese Krankheit wird durch den Quesenbandwurm verursacht, dessen Finne (ein Entwicklungsstadium) im Gehirn der Schafe bis zu Eigrösse heranwachsen kann. Dies führt zu Gleichgewichtsstörungen und zur Drehbewegung des befallenen Tieres. Wirfelsteine waren noch um 1910 im Gebiet um Hinterstoder und Windischgarsten (Oberösterreich) in Verwendung.
Ammoniten, auch Ammonshörner genannt, haben ihren Namen vom ägyptischen Gott Amun, der später von den Römern als Ammon mit Jupiter gleichgesetzt wurde. Ammon wurde stets mit Widderhörnern dargestellt und war ursprünglich ein Herden- und Weidegott. Seine Hörner sind Symbole der Kraft, der Macht und des Glanzes.
Zungensteine, Natternzungen, Glossopetren
Fossile Haizähne aller Grössen wurden als Drachenzungen oder Natternzungen interpretiert und konsequenterweise als Zungensteine bezeichnet. In Alkohol eingelegt oder pulverisiert helfen sie gegen epileptische Anfälle, Fieber, Pocken, Darmwürmer. Sie schützen vor Vergiftung aller Art und werden (auch heute noch) gerne als Amulett gegen Behexungen und den Bösen Blick oder einfach als Schmuck getragen.
Nach PLINIUS fallen sie bei abnehmendem Mond vom Himmel. Daraus entstand die Vorstellung, man könne mit diesen Zaubersteinen die Bewegungen des Mondes beeinflussen. Bei den Germanen waren sie die Zähne des Mondwolfes (Fenriswolf), der den Mond verschlingt (Neumond, Mondfinsternis). Dabei brechen ihm gelegentlich Zähne aus, die dann zu Erde fallen. Zu Schlangenzungen wurden sie erst im Zuge der Christianisierung Europas: Sie entstanden, als der heilige Paulus auf der Insel Malta das Natterngezücht verfluchte.
Auf Malta finden sich zwei Arten von Fischzähnen: Schlangenzungen und Natternaugen. Letztere sind ident mit den Krötensteinen. Auch der umgebende Mergel hat heilende Wirkung:
Die Zungen sind braun: die Schlangen-Augen gelb / und werden durch die gantze Insul also / wie sie zu Kauffe sind / gefunden. Die Erde so wohl / als auch die Zungen und Augen haben recht wundersame Kräfften / indem sie allem Gifft widerstehen / von gifftigen Bissen nicht allein bewahren / sondern selbige auch curieren und viel andere Kranckheiten heilen. Sie werden also gebrauchet: die sogenandte Augen werden in Ring gefasset / doch dass sie die blose Haut berühren und zwar die Finger / wie andere Jubelen. Die Natter-Zungen hänget man an den Hals oder traget sie an den Armen. Von der Erde thut man etwas in Wein oder Wasser / solche zu trincken.
(VALENTINI, 1704; zitiert nach HAGN, 1985)
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