inatura Dornbirn

Von der Maschinenfabrik zum Naturmuseum

Historische Ansicht des Rüsch-Areals

  
Ein Standort mit Geschichte

Das Rüsch-Areal ist ein integraler Bestandteil der Industriegeschichte Vorarlbergs. 1827 erwarb Josef Ignaz Rüsch im Stadtteil "Schmelzhütten" eine Hammerschmiede, die in den folgenden Jahren zur Maschinenfabrik erweitert wurde. Der Betrieb hatte sich gegen Ende des 19. Jh. auf den Bau von Turbinen und Wasserkraftanlagen spezialisiert und galt lange als der bedeutendste metallverarbeitende Betrieb des Landes.

Nach der Stilllegung des Betriebes 1984, der sich zu dieser Zeit bereits im Besitz der Firma F.M. Hämmerle Holding AG befand, gab es mehrere Anläufe das Fabrikgelände einer neuen Nutzung zuzuführen. Bereits 1984 trat die Stadt Dornbirn in Kaufverhandlungen mit der F.M. Hämmerle Holding AG. 1988 wurde ein Wettbewerb für eine Bebauung des Rüsch-Werke-Areals ausgeschrieben. Das Raumprogramm sollte Flächen für ein Vorarlberger Industriemuseum, Wohnungen und Dienstleistungsbetriebe an diesem zentralen Standort vorsehen. Die Gießerei und die Montagehalle sollten nach den Plänen des Siegerprojektes (Christian Lenz mit Helmut Dietrich und Much Untertrifaller) erhalten und renoviert werden.

1999 entschlossen sich die Träger der Vorarlberger Naturschau, die Stadt Dornbirn und das Land Vorarlberg, die neue Naturschau gemeinsam mit dem Projektpartner F.M. Hämmerle Holding AG auf dem Rüsch-Werke-Areal zu errichten. Dieser Entschluss war ein Bekenntnis zur Erhaltung von Industriearchitektur und zur öffentlichen Nutzung des Areals. Ungefähr zwei Hektar aus dem Gesamtareal konnte die Stadt Dornbirn von der F.M. Hämmerle Holding AG zur Errichtung des Stadtgartens erwerben.

Das Rüsch-Areal heute

  
Neues und Altes verbinden

Das Areal, auf dem sich seit 1827 die Rüsch-Werke befanden, war bereits seit dem 16. Jahrhundert bebaut. Bis zur Schließung der Rüsch-Werke 1984 wurden mehrfach Gebäude neu errichtet, andere abgerissen. Um das Areal für die Errichtung des Museums und der Anlage des Stadtgartens nutzbar zu machen, mussten einige Gebäude bzw. Gebäudeteile abgerissen werden. Erhalten geblieben sind die Montagehalle (Baujahr 1893), die alte (Baujahr 1858) und die neue Gießerei (Baujahr 1897), die Dreherei (Baujahr 1863) und die Schmiede (Baujahr 1836/1892).

Die Erhaltung und der Umbau von historischen Gebäuden erfordert ein großes Maß an Fingerspitzengefühl. Besonders, wenn wie im Fall der Rüsch-Werke, Gebäude aus verschiedenen Epochen vorhanden sind und entschieden werden muss, was erhaltenswert ist und was abgerissen werden muss. Aus diesem Grund wurden die Siegerbüros des städtebaulichen Wettbewerbs aus dem Jahr 1988 mit den Architekturleistungen beauftragt. Die Architekten Helmut Dietrich, Hermann Kaufmann, Christian Lenz und Much Untertrifaller jun. haben ihr Können, auch bei der Revitalisierung von historischen Gebäuden, in vielen Projekten bewiesen.

Damit die Räumlichkeiten den Anforderungen eines modernen Museumsbetriebes gerecht werden, mussten auch einige Neu- und Zubauten an die bestehenden Gebäude gemacht werden. Die ehemalige Dreherei und die Gießerei mussten verbunden werden, damit die BesucherInnen trockenen Fußes in alle Bereiche der Ausstellung gelangen können. Ein Kubus zwischen den beiden Gebäuden ermöglicht nun den Durchgang von der Eingangshalle in den Ausstellungsbereich und bietet gleichzeitig Platz für einen Film- und Vortragsraum. Im zweiten Zubau befinden sich die Wirtschaftsräume für das Café. In zwei Neubauten hinter der Gießerei wurden Büros für die MitarbeiterInnen der inatura geschaffen.

In den Neu- und Zubauten wurde der industrielle Charakter der vorhandenen Gebäude  aufgenommen, was sich unter anderem im für die Außenfassaden verwendeten Corteen-Stahl wiederspiegelt. Die industrielle Vergangenheit der Gebäude soll nicht verheimlicht werden. Aus diesem Grund werden auch die beiden Kupolöfen, in denen Gusseisen geschmolzen wurde, in der ehemaligen Gießerei erhalten bleiben und in die Ausstellung integriert.

Das Projekt auf dem Rüsch-Werke-Areal ist ein gelungenes Beispiel, sowohl für die Verbindung von moderner Architektur mit historischen Gebäuden, als auch für die Überleitung eines Industrieareals in eine öffentliche Nutzung als Museum und Stadtgarten.

 

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