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Ein versintertes Souvenir aus Karlsbad

Im März 1998 konnte die inatura ein interessantes Objekt aus der biologischen Lehrmittelsammlung der Höhere Lehranstalt für wirtschaftliche Berufe Marienberg in Bregenz erwerben: Einen versinterten "Gewürzstrauss" aus Karlsbad. Unter der braunen Kalksinterkruste sind die unterschiedlichsten Objekte verborgen: Meist Fruktifikationen von Pflanzen, aber auch Krebsschalen und Papierrosen! Sie alle waren auf einem Tabakblatt arrangiert und dann dem kalkhaltigen Karsbader Sprudel ausgesetzt worden. Wann und wie der Sinterstrauss nach Bregenz gelangt ist, kann wohl nicht mehr rekonstruiert werden.
Trotz kleiner Beschädigungen an der Oberfläche ist die Erhaltung unseres Exemplars so gut, dass es in der Zeit von 23. Oktober 2004 bis 01. Mai 2005 im Rahmen der Ausstellung "Der SPRUDEL macht den STEIN – Schätze aus Karlsbad" im Egerland-Museum Marktredwitz (Dreiländereck Bayern - Böhmen - Sachsen) präsentiert wurde.
Hintergrund
Souvenirgegenstände mit Mosaikintarsien aus Sprudelstein wurden im 19. und in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts zum „Markenzeichen“ der Kurstadt Karlsbad. Das Karlsbader Thermalwasser besitzt einen hohen Gehalt an Kalk und Mineralien. Nur ein Teil davon bleibt beim Austritt des Wassers in Lösung, ein anderer setzt sich als steinharte Sinterschicht (Kalziumkarbonat) ab. Die Mineralien, überwiegend Eisenverbindungen, sind für die typische bräunliche bis tief kastanienbraune Färbung verantwortlich. Im Laufe von Jahrtausenden bildeten sich meterdicke Vorkommen. Um 1830 sind erstmals Souvenirs mit Mosaikarbeiten aus dünnen Sprudelsteinplättchen erwähnt. Durch das internationale Kurpublikum gelangten diese Erinnerungsstücke in alle Welt.
Eine weitere Möglichkeit, den Sprudelstein für die Andenkenindustrie zu nutzen, bot die Versinterung. Dazu setzte man die Gegenstände anfangs direkt dem fließenden Sprudelwasser aus. Später wurden sie in einen mit Sprudelwasserdampf erfüllten Raum gebracht. Nach einigen Tagen oder Wochen überzog eine feinkörnige Schicht von braunem Quellsinter den Gegenstand. Auf diese Weise „versteinerte“ man Vasen, Schalen, Figuren aus Ton oder Porzellan, aber auch Pflanzen wie Rosen und ganze Hochzeitssträuße.
Eine frühe Erwähnung der "karlsbader Inkrustate von Blumen, Krebsen, geschnitzten Figuren u.s.w." findet sich in der ersten Auflage eines umfangreichen Werkes über Karlsbad aus dem Jahre 1828. Seither enthält fast jeder Reiseführer einen Hinweis auf diese Versinterungen. Ein Beispiel aus dem Jahre 1941: "Auf diese Weise behandelt man Blumen, Koniferenzweige, Erstlingsschuhe usw. Das Spezialgeschäft Adolf Tschammerhöll (neben dem Sprudel) verkauft Sprudelstein-Andenken und Versinterungen, nimmt auch Gegenstände zur Versinterung entgegen und ermöglicht Interessierten einen Einblick in den Versinterungsvorgang." Das Monopol für die Versinterung von Gegenständen lag bei der Stadtgemeinde, die es an die 1832 gegründete Firma Tschammerhöll verpachtet hatte. Es war bei den Karlsbader Bräuten gern geübter Brauch, das Brautbukett versintern zu lassen.