inatura Dornbirn

Schermäuse – Wohlgenährt in den Frühling

  • Bild: Klaus Zimmermann

Die Schneeschmelze bringt es an den Tag: Die Schermäuse waren den ganzen Winter hindurch aktiv, die geschlossene Schneedecke hat sie optimal vor Fressfeinden geschützt. Auch im Winter grasen diese Pflanzenfresser die Erdoberfläche nach Wurzeln und anderen Pflanzenteilen ab. Im Frühjahr sieht man dann ihre ausgedehnten oberirdischen Wintergänge und Fraßspuren auf Wiesen und Feldern. Die Schermäuse selbst haben sich dann längst wieder in ihre unterirdischen Bauten zurückgezogen.

Mit den Begriffen „Baummäuse“ oder „Wühlmäuse“ werden bei uns immer die Ostschermäuse (Arvicola terrestris) bezeichnet. Sie sind die größten heimische Vertreter der Wühlmäuse, wenn man von den eingebürgerten Bisamratten absieht. Bis über 20 cm lang können diese Nagetiere werden, speziell die Vertreter der am Wasser lebenden Populationen. Ihre unterirdischen Gänge münden oft unter der Wasseroberfläche von stehenden und fließenden Gewässern, daher werden sie auch als Wasserratten bezeichnet. Diese ernähren sich vorwiegend von Wasserpflanzen. Da sie auch von Menschen errichtete Dämme durchlöchern können, sind sie bei den Wasserbauern unbeliebt.

Die auf den Feldern und Äckern lebenden Schermäuse entstammen der selben Nagerart, auch wenn die Tiere weit kleiner bleiben als ihre Wasser bewohnenden Artgenossen. Ihre Nahrung besteht aus Wurzeln, Rüben, Knollen und auch Blättern. In Obstbauplantagen und im Gemüseanbau können diese Nagetiere auch zu Schädlingen werden. Gerade Karotten und Spargel scheinen die Nager magisch anzuziehen.

Schermäuse sind sehr gut an das unterirdische Leben angepasst: Ihr Körperbau ist bullig, ihre Nagezähne sind sehr lange und kräftig. Die Augen sind kaum größer als ein Stecknadelkopf, sie benötigen als Bodenbewohner keine besondere Sehstärke. Die Nahrung wird mit der empfindlichen Nase aufgespürt. Die Schwanzlänge erreicht gut die Hälfte ihrer Körperlänge, der kräftige Schwanz wird bei der Fortbewegung im Wasser als Ruder eingesetzt. Die Tiere graben bis zu 50 m lange unterirdische Gänge und legen sich auch Vorratskammern an. Mit der Paarung beginnen die Tiere im März, bis zu 5 Würfe pro Jahr sind möglich. Pro Wurf erblicken 4-6 Jungtiere das Licht der Welt, manchmal auch mehr als 10. Bereits nach 2 Monaten sind die Jungtiere geschlechtsreif.

Die Schermäuse werfen beim Graben ihrer Gänge Erdhaufen auf. Diese sind meist kleiner und instabiler als jene der Maulwürfe. Auch sind es bei den Wühlmäusen pro Tier nur einzelne Haufen, während einzelne Maulwürfe gerade im Winter Dutzende große Hügel aufwerfen. Die unterirdischen Gänge der Schermäuse sind rundlich bis hochoval, bei den Maulwürfen eher breitoval. Die Tiere reagieren empfindlich auf Zugluft. Wird ein Gang freigelegt, so wird die Maus ihn so rasch wie möglich wieder zuscharren, Maulwürfe tun dies nicht. Viele Gänge sind so platziert, dass ständig Pflanzenwurzeln in die Baue nachwachsen. Dies bedeutet für die Tiere eine köstliche und sichere Nahrungsquelle. So ist es nicht verwunderlich, dass nur in verlassenen Gängen (oder in Maulwurfsbauten) Pflanzenwurzeln sichtbar sind.

Sicher erinnern sich manche noch daran, dass viele Vorarlberger Gemeinden in früheren Zeiten Prämien für gefangene Schermäuse vergeben haben. Mit dieser Maßnahme wurde versucht, Überpopulationen der Mäuse speziell in Obstbaugebieten zu verhindern. Gefangen wurden die Mäuse mit der „Schwiezar Ringlefalla“, wie die Badische Drahtfalle bei uns genannt wurde. Neben mechanischen Fallen kamen auch Gaspatronen, Giftköder und elektronische Geräte im Kampf gegen die Mäuse zum Einsatz. Heutzutage findet man die Schermäuse vielerorts nicht mehr in Hausgärten, das allwöchentliche Brummen des Motorrasenmähers hat sie vertrieben.

Aber es gibt sie noch, die Mausefänger in Vorarlberg. Und der Übergang zwischen fachkundiger Schädlingsbekämpfung und traditioneller Fallenstellerromantik ist oft fließend.

Einen informativen, aber auch skurrilen Einblick in das Leben und Sterben der heimischen Schermäuse findet man unter
http://www.hausmaus.at/F4.htm.

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