inatura Dornbirn

Bitte die Vogelfütterung stoppen!

Bildautor: Georg Friebe
Kohlmeise
Bildautor: Klaus Zimmermann
Futterhäuschen mit Verkotungsgefahr

Nirgendwo lässt sich das Treiben der Singvögel besser beobachten als bei der Winterfütterung. Gerne würde man sich auch im Sommer einen Logenplatz im „Federkino“ reservieren, indem man die Vögel auch in der warmen Jahreszeit mit Futter anlockt. Aufgrund der derzeit herrschenden Salmonellenepidemie raten die inatura-Fachberater dringend von einer Weiterfütterung der Singvögel in der warmen Jahreszeit ab.


Nach wie vor melden besorgte Anrufer aus ganz Vorarlberg fast täglich kranke bzw. verendete Singvögel. Neben Hunderten Erlenzeisigen sind auch einzelne Meisen, Gimpel und Buchfinken in Vorarlberg betroffen. Sogar manche Katzen sind nach dem Verzehr infizierter Vögel erkrankt. Die Experten hoffen, dass sich die Situation entspannt, wenn die Tausenden Zeisige im Frühjahr zurück in den Norden fliegen. Umgekehrt steigt das Infektionsrisiko bei den hier verbleibenden Singvögeln, da sich die Salmonellen bei höheren Temperaturen exponentiell vermehren. Futterstellen und Vogeltränken werden so erst recht zu Brutstätten einer Infektion. Die Bakterien werden über den Vogelkot ausgeschieden und finden in feuchten Futterresten ein ideales Substrat. Derart kann den Vögeln die Konzentration auf einzelne, von Menschen bereitgestellte Futterstellen zum Verhängnis werden.


Bereits vergangenen Sommer forderten deutsche Naturschutzorganisationen zu einem Stopp der Sommerfütterung von Singvögeln auf. In weiten Teilen Nord- und Mitteldeutschlands verendeten Tausende Vögel an einer Trichomonaden-Infektion. Auch diese Einzeller werden fast ausschließlich an Vogeltränken und Futterstellen übertragen. Sie siedeln sich dann im Kropf der Vögel an und schwächen ihre Wirte zusehends. Das Krankheitsbild ist einer Salmonellose sehr ähnlich, die Vögel wirken matt, zeigen kaum Fluchtverhalten und leiden an Atemnot. Untersuchungen im kommenden Sommer werden zeigen, ob es auch Kreuzinfektionen mit beiden Erregern bei den heimischen Vögeln gibt.


Natürlich gibt es prinzipiell auch Argumente die eindeutig für eine Sommerfütterung der Singvögel sprechen. In Großstädten sowie in „Agrarwüsten“ mit ausgedehnten Monokulturen ist tatsächlich eine Strukturarmut gegeben, die sich negativ auf die Singvögel auswirken kann. Direkte Futtergaben sind aber nur eine Möglichkeit zur Abhilfe. Genauso wichtig ist es, im eigenen Umfeld entsprechende Strukturen in Form von naturnaher Bepflanzung mit heimischen Gewächsen zu schaffen. Auch künstliche Nisthilfen sind förderlich, wenn sie entsprechend rein gehalten werden können.


In der gegenwärtigen Situation ist eine Weiterfütterung der Singvögel allerdings in jedem Fall kontraproduktiv. Die inatura-Fachberater empfehlen, die Futterstationen sofort abzubauen und sie vor der Einlagerung mit heißem Wasser und Schmierseife gründlich zu reinigen. Jeder sollte gerade jetzt auch kritisch prüfen, ob sein Futterhäuschen noch zeitgemäß ist. Futterstationen, bei denen das Futter bei Regen leicht nass wird, sind ungeeignet. Auch Häuschen, die so gebaut sind, dass sich das Futter mit dem Vogelkot vermengen kann, stellen ein großes Risiko für die Vögel dar. Derartige „Bakterienschleudern“ sollten am besten gleich entsorgt werden. Bis zum nächsten Winter bleibt genügend Zeit, sich im Fachhandel hygienischere Futterspender anzuschaffen!

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