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Marmaroscher Diamanten
Die inatura ist stets bestrebt, ihre Sammlungen vorarlberger Naturschätze zu erweitern. So konnte im August 2001 eine kleine Kollektion ausgewählter Mineralstufen aus dem Ländle angekauft werden. Darunter befinden sich als Besonderheit ersten Ranges aussergewöhnlich grosse Quarzkristalle aus Mellau.
Die Kalkgesteine des Helvetikums, die grosse Teile des Bregenzerwaldes und des Rheintals aufbauen, sind naturgemäss kein geeignetes Muttergestein für Quarz. Dennoch finden sich in schmalen Klüften immer wieder kleine (meist unter 1 cm), meist wasserklare, doppelendige Quarzkristalle. Nach dem ehemals ungarischen Komitat Marmarosch (heute im Grenzgebiet Rumänien - Ukraine) werden sie von den Sammlern als "Marmaroscher (Diamanten)" bezeichnet.
Nur an besonderen Stellen konnten die Klüfte aufreissen, auf deren Wänden die Kristalle aufsitzen. Während der Gebirgsbildung wurde an das Gestein zerschert und gedehnt. Dabei wurden die weichen Mergel ausgewalzt und geschiefert. Die harten Kalksteine sind spröde zerbrochen. Nur in Kalk-Mergel-Wechsellagerungen wurden die Kalkbänke zerrissen. Bei Mellau stehen diese Dehungsklüfte mehrere Zentimeter weit offen. In ihnen sitzen auf Calcit aufgewachsen die Quarze. Grosse Kristalle liegen meist lose in der Kluft.
Die Quarze sind bei nur niedrigen Temperaturen sehr rasch kristallisiert. Dies bedingt zahlreiche Wachstums-Unregelmässigkeiten. Bei "Fensterquarzen" findet das Wachstum vorwiegend an den Kristallkanten statt, während die Flächen zurückbleiben. Später wird diese Lücke wie mit einem Fenster geschlossen. Bei "Zepterquarzen" sitzt ein grösserer Kristall auf einem kleinen Säulchen. Viele Kristalle zeigen Flüssigkeitseinschlüsse. Nur von einer Fundstelle sind Einschlüsse von Bitumen bekannt.
Auch wenn die vorarlberger "Diamanten" meist nur klein sind - sie sind ein glitzerndes Zeugnis der jüngeren Entwicklungsgeschichte unserer Alpen.

