inatura Dornbirn

Glitzernde Kostbarkeiten: Pyrit und Sphalerit

Marmaroscher Quarz, Fundort Mellau - © inatura / Peter Wagenplast


Pyrit

gr. pyrites = Feuerstein. Pyrit sprüht beim Anschlagen Funken, sodass die Vorstellung entstand, dass der Stein Feuer in sich enthält. In der Antike und Mittelalter umfasste dieser Name auch den Kupferkies und verwandte Minerale. Weitere Bezeichnungen sind Eisenkies und Schwefelkies. Gerade der letzte Name ist eigentlich ein Pleonasmus: "Kies" ist in der Bergmannssprache eine Bezeichnung für Sulfide, also Schwefelverbindungen. "Schwefelkies" wäre also ein "Schwefelsulfid", was es natürlich nicht gibt! Dennoch war dieser Name lange Zeit Sammelbezeichnung für verschiedene Sulfide: Pyrit, Markasit, Arsenkies, Kupferkies, Zinnkies, Magnetkies u.a.

Pyrit ist ein Eisensulfid, eine Schwefel-Eisen-Verbindung mit der chemischen Formel FeS2. Durch seine goldene Farbe ist Pyrit ein sehr auffallendes Mineral. Er kristallisiert kubisch: Seine Hauptformen sind Würfel und Pentagondeodekaeder (ein Kristall, der von 12 Fünfecken begrenzt wird). Seltener kristallisiert Pyrit als Oktaeder.

Entstehung
Pyrit kommt in (fast) jedem Gestein vor (mit Ausnahme hochreiner Marmore). In Ablagerungsgesteinen entsteht Pyrit bei der Zersetzung von organischem Material durch Schwefelbakterien im anaeroben (sauerstofffreien) Milieu. In manchen Umwandlungs-gesteinen bildet er schöne, wenn auch kleine Würfel. Wichtige Lagerstätten sind hydrothermale Erzgänge und Vorkommen in Zusammenhang mit Ozeanbodenbasalt. Bei letzteren dringt Meerwasser durch feine Spalten in das Vulkangestein, wird dort aufgeheizt und laugt die Metalle heraus. Die heisse Lösung steigt wieder auf und wird im Kontakt mit dem kalten Meerwasser abgekühlt. Die Metalle lagern sich am Meeresboden ab. So entstehen ausgedehnte Sulfid-Lagerstätten (z.B. auf Zypern), die auch gewisse Anteile an anderen Metallen wie z.B. Kupfer enthalten (die Insel Zypern verdankt ihren Namen den dortigen Kupferlagerstätten, die alle (!) bereits in der Antike bekannt waren).

Verwendung
Pyrit verwittert relativ leicht zu Eisenhydroxiden ("Rost"). Die Verwitterungszonen von Erzlagerstätten ("Eiserner Hut") waren Ziel des antiken Bergbaus: Das Gestein liegt oberflächennah, lässt sich leicht gewinnen und macht wenig Probleme bei der Verhüttung.

Heute dient Pyrit in erster Linie als Rohstoff für die Schwefelgewinnung. Durch Rösten wird ihm der Schwefel entzogen, der meist zu Schwefelsäure weiter verarbeitet wird. Die (immer noch schwefelhaltigen) Röstrückstände können als zur Eisengewinnung verwendet werden.

In früheren Jahrhunderten wurde Pyrit gelegentlich als Feuerstein zum Funkenschlagen verwendet. Schöne Funken erhält man, wenn man das Mineral mit einer Stahlfeile schlägt.

Pyrit in Vorarlberg
Bei Mineraliensammlern beliebt sind die Pyritknollen aus dem Seewerkalk von Hohenems. Dieses Gestein ist ein relativ reiner Kalk mit nur geringen Tonbeimengungen. Er entstand vor etwa 90 Millionen Jahren in tieferen (pelagischen) Meeresbereichen am damaligen Südrand von Europa. Mit freiem Auge sind keine Versteinerungen erkennbar. Erst unter dem Mikroskop im Dünnschliff erkennt man, dass der Kalk zu einem grossen Teil aus den Schalen von Einzellern (Foraminiferen) besteht. Bei der Zersetzung dieser organischen Substanz entstand der Pyrit, der sich schließlich zu radialstrahligen Kugeln konzentrierte.

Pyrit-Würfel und Sphalerit auf Fluorit - Fundort: Huanzala (Huanuco / Peru) - © inatura
Pyrit-Würfel und Sphalerit auf Fluorit - Fundort: Huanzala (Huanuco / Peru)


Sphalerit = Zinkblende

Sphalerit ist heute das wichtigste Zink-Erz, wurde ursprünglich aber nicht als Erz erkannt, da es schwer schmelzbar ist. Weil es den Schmelzprozess auch noch verzögert, war es keinesfalls beliebt, sondern wanderte vor dem 18. Jahrhundert auf Halde. Heute werden historische Halden als "Sekundärlagerstätte" abgebaut.

Von dort kommt auch der Name "Blende": "... eine glintzernde Berg-Art, schwartz und auch gelb, so kein Metall führet, und offt den Bergmann blendet und betrügt." Sphalerit: Übersetzung des alten Namens ins Griechische: sphaleros = betrügerisch.

Das wichtigste Vorkommen in Österreich ist Bleiberg / Kärnten, wo Sphalerit Spuren der (giftigen) Schwermetalle Cadmium und Germanium enthält. Selten wurde das Mineral auch am Arlberg (um St. Christoph) und bei Bartholomäberg gefunden.

 

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