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Prähistorische Hirschgeweihe aus dem Lünersee

Hirschgeweih aus dem Lünersee - © inatura / Georg Friebe

Vor seinem Ausbau zur Energiegewinnung galt der Lünersee als der grösste natürliche Hochgebirgssee Österreichs. In den 50er-Jahren wurde er in das Kraftwerkenetz der Vorarlberger Illwerke einbezogen und gestaut. Dieses Vorhaben reicht bis Anfang der 20er-Jahre zurück. Die natürliche Felsschwelle gegen das Brandnertal war wasserwegig. Etwa 350 l/sec sprudelten aus den Quellen in der Felswand. In den Jahren 1925-27 sowie 1930-31 wurde der See abgesenkt. So konnten die Sickerwege verfolgt und versiegelt werden.

Bereits bei der ersten Absenkung wurden 1925 die Überreste von zwei Hirschen geborgen. Eines der Geweihe, gefunden unterhalb der alten Douglashütte, war seit jeher im zweiten Stock der Naturschau ausgestellt. Gemeinsam mit weiteren Knochen von diesem Tier lagert es nun in unserer Studiensammlung. Das andere Geweih konnte vor einigen Jahren als Dauerleihgabe gewonnen werden. Es wurde im Delta des Verenbaches in etwa 1930 m ü.d.M. gefunden. Erstaunlich, dass in dieser kargen und baumlosen Gegend Hirsche gelebt haben! Eine Dokumentation der Seebodenablagerung brachte die überraschende Erklärung: Die Ablagerungen - und damit auch die Geweihe - sind als spätsubboreal, d.h. bronzezeitlich, einzustufen!

Für den Bau der Staumauer in den 50er-Jahren musste der See ein weiteres Mal abgelassen werden. Und wieder kam ein Hirschgeweih zutage, das auf 4910 ± 200 Jahre v.Chr. datiert wurde. Die Altersangabe ist ungewöhnlich. Normalerweise werden 14C-Alter in "Jahren vor Heute" angegeben, wobei "Heute" ein standardisiertes Nulldatum ist. Falls hier keine Verwechslung vorliegt, so lebte dieser Hirsch in der Mittelsteinzeit. Aus dieser Zeit stammen auch die ersten bei Koblach entdeckten Siedlungsspuren von Menschen in Vorarlberg. Die Hirschknochen wären um einiges älter als die beiden ersten Funde.

Dass der See einst von Wald umgeben war, zeigen Funde aus dem benachbarten Rellstal. Im Sommer 1955 wurden bei Stollenarbeiten in einer Felssturzmasse Stämme von Fichte, Zirbe, Ahorn und Eberesche gefunden. Hier wurden 14C-Alter von 5860±150 und 5500±140 Jahre v.H. ermittelt (= frühe Jungsteinzeit). Ein warmes und feuchtes Klima hatte die grosse Höhe der Waldgrenze ermöglicht.

Die "Holozäne Warmzeit" vor etwa 6'500 (14C-)Jahren gilt als die wärmste Epoche der letzten 75'000 Jahre. Während dieser Zeit konnten Vegetation und Tierwelt in Höhenstufen vordringen, die ihnen heute versagt sind. Doch das Klima blieb nicht gleichmässig warm: Für die gesamte Nacheiszeit werden 5 bis 6 Kaltphasen, getrennt durch wärmere Perioden, angenommen.

 

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