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Zottige Eiszeitgiganten auf Sommerfrische im Ländle
Ein sonderbares Stück Holz hatte Christian Ganal im Juli 1859 im Schesatobel bei Bürserberg gefunden. Viel zu schwer war es, und weiß obendrein. Zunächst warf er es achtlos zum Brennholz. Erst im Jänner 1860 vermutete ein Drechsler, dass es sich um Elfenbein handeln könnte. Zur "Beweissicherung" wurde der vermeintliche Holzstamm zersägt. Am Bezirksamt Bludenz erkannte man schließlich die urgeschichtliche Besonderheit. Der Mammutzahn wurde vom Textilfabrikanten John Douglass für das Landesmuseum erworben. Im darauf folgenden Sommer kamen zwei weitere Fragmente desselben Stoßzahnes zum Vorschein. Erst 1874 konnten diese beiden Teile, die seit 14 Jahren leihweise in der Sammlung lagen, vom Vorarlberger Landesmuseumsverein angekauft werden. Dieser Stoßzahn wurde Ende der 50er-Jahre der Naturschau übergeben. In der inatura kann er leider nicht mehr bewundert werden: Die Übersiedelung in ein neues Mikroklima hat ihm nicht gut getan, und zur Bestandssicherung liegt der Zahn heute bei gleichmässiger Temperatur und Luftfeuchtigkeit im Depot.
Mammutfunde sind in Vorarlberg keineswegs häufig. Nur gelegentlich kam der zottige Steppenbewohner in die steilen und unwirtlichen Täler der Alpen. Die Funde beschränken sich auf Zähne: Bereits 1860 wurde der zweite Stoßzahn im Schesatobel geborgen. Für das Jahr 1886 lesen wir im Rechenschaftsbericht des Landesmuseums: "Einige hundert Meter von der Fundstelle des im Museum aufbewahrten Mammuthzahnes wurde das Fragment eines weiteren Stoßzahnes gefunden [...] Die hohen Forderungen des Besitzers vereitelten bisher den Ankauf." 1907 und 1997 sollten nochmals zwei Teile von Mammutzähnen im Schesatobel zutage kommen.
Weitere Fundstellen sind über den Norden Vorarlbergs verstreut: Die Dornbirnerache lieferte ein Fragment, das 2001 von der Vorarlberger Naturschau aus einer alten Sammlung angekauft werden konnte. Aus dem Bregenzerwald bei Au stammen "zwei fossile Zahnfragmente des Mammuths", gefunden im Jahr 1889. Und hundert Jahre später wurde in einer Kiesgrube in Langen b/Bregenz ein Teil eines Stoßzahnes entdeckt, der ein Radiokarbon-Alter von 23.900 ± 400 Jahren "vor heute" aufweist. Knochen kamen nur einmal zutage, bei Arbeiten an der Lawinengalerie in Au im Jahr 1987. Doch diese wurden gemeinsam mit dem übrigen Aushub in die Bregenzerache geschüttet. Eine Nachsuche blieb leider erfolglos. Nur ein einzelner Backenzahn wurde von diesem Fund gerettet. Auch er ist im Museum ausgestellt.
Ungewöhnlich ist der Name "Mammut". Er stammt ursprünglich wohl aus dem Hochland von Tibet und bedeutet wörtlich "Erdtier". Wenn in Sibirien und China die Flüsse ihre Ufer unterschneiden, kommen gelegentlich Mammutknochen zum Vorschein. Weiter im Norden wurden sogar ganze Tiere gefunden, tiefgekühlt im ganzjährig gefrorenen Boden. So entstand die Sage vom unter der Erde lebenden Tier, das über Tage nicht leben kann. In China heißt es die "grabende Ratte".

