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Magnet, Schlangeneistein
Der Magnetstein
Ein Magnetit kann einem Mann helfen, seine Gattin der Untreue zu überführen. Er wird dazu unter das Kopfkissen der Frau gelegt. Ist sie unschuldig, so wird sie ihren Ehemann sofort liebkosen. Fällt sie aber aus dem Bett, so kann der Mann überzeugt sein, daß sein Verdacht nicht ganz unbegründet war. Dies legt nahe, daß man einen Magneten - sofern man von der Treue seines Partners überzeugt ist - auch als Aphrodisiakum verwenden kann. Tatsächlich empfiehlt VOLMER in seinem Steinbuch (13. Jahrhundert):
und swelch frouwe der ir man
mit nichte holt werden kan,
diu sol den stein am halse tragen:
so wirt er an dem dritten tage
dem selben wibe
holt als sim eigen libe.
ist aber ein wip ir man gram
so sol er tuon alsam.
Nach PLINIUS fand der Magnetit in der Augenheilkunde zum Stillen des Tränenflusses Verwendung. Gebrannt und zerrieben heilt er Verbrennungen.
Im Mittelalter glaubte man an die Existenz eines Magnetberges, der die eisernen Nägel aus vorüberfahrenden Schiffen zieht. War zu viel Eisen an Bord, so wurde das ganze Schiff vom Magnetberg angezogen und gefangen gehalten.
Der Schlangeneistein oder Ovum anguinum
Als versteinerte Schlangeneier wurden reguläre Seeigel gedeutet, die stark hervortretende Warzen besitzen, auf denen die Stacheln sitzen. Der Schlangeneistein soll entstehen, wenn sich zur Sommerzeit zahlreiche Schlangen zusammendrängen und sich der Speichel und Schleim der sich ineinander ringelnden und verschlingenden Schlangen zu Stein verhärtet.
Die Druiden sagen, dieses werde zischend in die Höhe geschleudert, und man müsse es mit einem Mantel auffangen, damit es die Erde nicht berühre; der Räuber des Schlangeneis müsse zu Pferde fliehen, da ihn nämlich die Schlangen so lange verfolgen, bis sie durch einen dazwischenliegenden Fluss aufgehalten werden; ein Beweis für die Echtheit des Schlangeneis sei, dass es, sogar in Gold gefasst, gegen den Strom schwimme. Und wie die Magier ihre Betrügereien mit scharfsinniger Geschicklichkeit zu verbergen wissen, meinen sie, man müsse es an einem bestimmten Tag des Mondes zu erlangen trachten, als ob es in der freien Entscheidung des Menschen läge, dass dieses Tun der Schlangen mit dem Mond zusammenfalle.
(C. PLINIUS SECUNDUS d. Ä., Buch XXIX, § 52-53)
Man glaubt, dass er vor jeder Vergiftung, vor verpesteter Luft und vor Verhexung beschützt und dass er Verzauberungen unschädlich zu machen imstande ist. Allerdings werden die Leute sehr schwer betrogen, denn der von ihnen in solchem Ansehen gehaltene Stein ist oft kein echter Stein, sondern eine aus Glas geblasene Nachahmung, die von den Weibern als Spinnwirtel verwendet wird.
(BOETIUS de BOOT, 1636; zitiert nach ABEL, 1939)
BOETIUS de BOOT führt weiter aus, dass diese versteinerten Seeigel in Belgien wirklich ganz profan als Spinnwirtel verwendet wurden. In der Folge wurden gläserne Spinnwirtel als Schlangeneisteine verkauft.
In Böhmen hiessen diese Fossilien Duchanek = Seelenstein. Sie dürfen in einem Hause, in dem Kinder wohnen, nie behalten werden, da sie den Kindern die Seele aus dem Mund ziehen.

