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Lochstein, Blutstein, Hexenherzen
Drudensteine, Lochsteine
Als Lochsteine, im Salzkammergut Drudenstein und in Vorarlberg Doggistein genannt, wurden Gesteine unterschiedlicher Zusammensetzung bezeichnet. Das entscheidende Kennzeichen ist dabei allein das Vorhandensein eines Loches, das auf natürlichem Wege entstanden sein muss. Mitunter wurden aber auch prähistorische Steinäxte verwendet.
Lochsteine dienten zur Abwehr allen Unheils, das durch böse Geister (Druden, Alben = Elfen, Mahren etc.) verursacht wird. Geister bevorzugen Schlüssellöcher oder Ritzen, um in ein Zimmer zu gelangen, benutzen aber niemals eine Türe. Durch falsche Löcher würden sie in die Irre geleitet. Lochsteine, über dem Bett aufgehängt, sollen vor Albdrücken (= Alpträumen) schützen, welches dadurch verursacht werde, dass sich Alben oder Nachtmahren auf den Körper des Schlafenden setzen. Entzündungen des Augenlidrandes können geheilt werden, indem man durch das Loch blickt. Bei den kärntner Slowenen hiess dieser Stein Schlangenstein. Milch, die durch das Loch geschüttet wurde, galt als Heilmittel gegen die Fraisen (Sammelbezeichnung für Kinderkrankheiten mit krampfartigen Anfällen).
Abergläubische Weibsleute suchen derartige Steine an Wildwässern und Flüssen, in törichtem Glauben, dass Kühe, die Blut mit Milch geben, geheilt würden, wenn ihre Zitzen zum Melken durch die Löcher gesteckt würden.
(GESNER, 1565; zitiert nach LÜSCHEN, 1968)
Haematit, Blutstein
Rote Steine helfen, blutende Wunden zu stillen. Meist wird dabei Haematit bevorzugt, oft in Zusammenhang mit rituellen Handlungen: Man halte den Stein über die blutende Wunde. Dabei mache man über der Wunde das Kreuzzeichen und bete ein Vaterunser, jedoch ohne am Schluss das "Amen" zu sprechen.
Blutstein hilft natürlich auch bei Nasenbluten oder Menstruationsbeschwerden. Er wird dann abgeschabt und als Pulver getrunken, oder einfach in der Hand gehalten. Daneben behebt er, ähnlich dem Magnetit, alle Augenleiden (inklusive Kurzsichtigkeit) und schützt vor den unheilbringenden Folgen des Bösen Blickes.
Er hat eine leicht erwärmende und adstringirende Kraft, verdünnt, glättet mit Honig die Narben und Rauheiten auf den Augen, heilt mit Frauenmilch Triefäugigkeit, Risse und blutunterlaufene Augen. Mit Wein wird er gegen Harnverhaltung und Frauenfluss, mit Granatapfelsaft gegen Blutspeien getrunken. Es werden aber auch Kollyrien [Salben] und Augenmittel daraus gemacht, welche gegen Augenleiden sehr dienlich sind.
(DIOSKURIDES, 1. Jhdt. n. Chr., Buch V, Cap. 143)
Der Haematit ist - neben Ocker - einer der am längsten in magischem Gebrauch stehenden Steine überhaupt. Mineralischen roten Farbstoff gab man bereits in der jüngeren Altsteinzeit den Toten mit auf seinem Weg ins Jenseits. Dadurch, daß man dem Verstorbenen das Symbol des lebenserhaltenden Blutes ins Grab legte, oder ihn damit bestreute, gab man ihm Kraft für das Leben nach dem Tode.
Über die Entstehung des Blutsteines berichtet die Sage:
Als einst der gestirnte Uranus, von Kronos' blutigen Händen zerfleischt, seine mächtige Brust über die Erde hinbeugte, da rannen Tropfen des göttlichen Blutes auf die schollige Erde hinab und erstarrten in der Sonne Glut; kein Wunder also, daß diesem geronnenen Blute so grosse Heilkräfte gegen Augenleiden innewohnen, damit der Anblick des lieblichen Himmels dem Antlitz der Sterblichen nicht entzogen werde.
(zitiert nach RÄTSCH & GUHR, 1989)

Hexenherzen
Etliche Muscheln zeigen im Bruch einen herzförmigen Querschnitt. Die Gattung Cardium kam dadurch sogar zu ihrem Namen. In der Umgebung von Krsko (Slowenien) führte diese Ähnlichkeit zu folgender Vorstellung:
Zur Zeit, als man noch Hexen verbrannte, flogen die Herzen aus dem auf dem Scheiterhaufen brennenden Körper und durchschlugen, da sie heiss und glühend waren, die Felswand - ihr Ziel. Kalt geworden blieb das Herz in der Felswand stecken. Wer das Herz in der Felswand findet, muss sich das Datum gut merken und jedes Jahr an diesem Tag für die Seele der Hexe, deren Herz er gefunden hatte, ein Vaterunser beten. So erhält das Herz die Kraft als Heilmittel und als sichere Abwehr des Blitzschlages, wenn es in einem Gebäude im linken Winkel aufbewahrt wird.
(mündliche Überlieferung, zitiert nach QUENSTEDT, 1938)
Pulverisiert und mit Milch oder Quellwasser vermischt und gekocht helfen Hexenherzen auch gegen die Wassersperre beim Vieh.
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