inatura Dornbirn

Igel auf Wohnungssuche

Igel (Erinaceus sp.) - © Norbert Gorbach

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Der Igel – ein Wildtier trifft Vorkehrungen für den Winter

Jeder kennt ihn, jeder liebt ihn, den heimischen Braunbrustigel (Erinaceus europaeus). Kaum ein Wildtier bei uns passt besser in das Kindchenschema als der Igel, obwohl sein Körper mit Stacheln bewehrt ist. Sieht man einen Igel, so werden gleich alle Fürsorgeinstinkte geweckt, und man will dem Tier helfen. Doch Igel sind Wildtiere, sie brauchen unsere Hilfe normalerweise nicht, wir stören sie höchstens bei der Vorbereitung auf den Winter!

Igel sind geschützte Tiere, sie dürfen weder gestört noch der Natur entnommen werden.Die inatura-Fachberater helfen gerne bei Igelfragen. Dabei ist es wichtig, zuerst um Rat zu fragen und erst dann, falls nötig, das Tier seiner gewohnten Umgebung zu entnehmen. Jeder unnötige Transport-Stress schadet den Igeln nur, auch wenn es sicher gut gemeint ist!

Eigentlich sind Igel nachtaktive Säugetiere. Doch gerade im Herbst machen sich alte und junge Igel öfters auch tagsüber auf den Weg. Sie suchen intensiv nach Nahrung, um gepolstert mit einer dicken Fettschicht den Winter überdauern zu können. Manche benötigen auch ein neues, frostsicheres Quartier für ihren Winterschlaf. Unterstände unter Scheunen, aber auch Laub- oder Asthaufen sind gute Winterquartiere. Am meisten ist den Igel geholfen, wenn man derartige „unaufgeräumte“ Strukturen im Garten schafft bzw. belässt!

Igel sind reine Fleischfresser, sie ernähren sich von Würmern, Engerlingen, Schnecken und anderen Kleintieren. Auch dieser Umstand trägt den Tieren viel menschliche Sympathie ein. Nacktschnecken werden allerdings verschmäht, ihr Schleim enthält zu viele Bitterstoffe. Eine Delikatesse für die Igel sind allerdings deren Eier, die sie mit ihren feinen Spürnasen treffsicher aufstöbern.

Ihre Jungen bekommen die Igel im Sommer, Juli und August ist die beste Zeit dafür. Drei bis sechs Junge hat ein Wurf normalerweise. Eine hohe Reproduktionsrate ist für Igel sehr bedeutsam, da ihre Lebensspanne oft nur drei Jahre (maximal 7 Jahre) beträgt. Die Jungen werden etwa sechs Wochen lang gesäugt, dann müssen sie sich selbständig ernähren. In unseren Tallagen sollten sie bis Anfang Dezember ein Gewicht von 400g erreichen, um sicher über den Winter zu kommen. Ausgewachsene Igel wiegen im Herbst zwischen 700 und 1500g. Erst im Dezember kann der Boden über längere Zeit gefroren bleiben, dann verschwindet auch das Nahrungsangebot für die Igel. Fehlt den Tieren in dieser Zeit der nötige „Speck“, so fallen sie erst gar nicht in den Winterschlaf. Für solche Igel stellt die kalte Jahreszeit eine ernsthafte Bedrohung dar.

Besonders betroffen davon sind Igeljunge aus Spätwürfen, die erst im Laufe des September das Licht der Welt erblicken. Diese Tiere kann man mit Futtergaben (Katzenfutter, gekochte und geschälte Eier, gekochtes ungewürztes Hackfleisch) unterstützen. Weitere Maßnahmen sollten nicht getroffen werden. Diese Fütterung kann zwar manchen Jungtieren das Überleben sichern, doch neigen gerade diese Herbsttiere dazu, selber nach Erlangen der Geschlechtsreife erst spät im Herbst Nachwuchs zu produzieren. Das Problem wird also nur um eine Generation verschoben!

Igel sind mit ihrem Stachelkleid effizient gegen Fressfeinde wie Greifvögel geschützt. Gegen uns Menschen, unsere Autos und Landwirtschaftsmaschinen nützt das Einigeln leider nichts. So werden viele Igel Opfer der landwirtschaftlichen Bewirtschaftung und des Autoverkehrs. Mit etwas Umsicht bei diesen Tätigkeiten könne viel Igelleid verhindert werden.

Nur durch Krankheiten geschwächte bzw. durch Unfälle verletzte Igel benötigen menschliche Hilfe. Besteht ein solcher Verdacht, sollte man das Tier einfangen und umgehend einen Tierarzt aufsuchen. Nur ein Tierarzt kann nach erfolgter Untersuchung und Behandlung entscheiden, ob ein Igel pflegebedürftig ist oder nicht. Er kennt auch die nächstgelegene Igelstation, in der Igel aufgenommen werden können, falls eine Pflege in ihrer gewohnten Umgebung nicht möglich ist. Hilfe ist auch angesagt, wenn man Jungigel findet, deren Mutter durch einen Unfall oder aufgrund einer Krankheit verendet ist. Sie müssen oft den ganzen Winter über aufgepäppelt und gepflegt werden. Jungigel dürfen übrigens nicht mit Kuhmilch gefüttert werden. Katzenmilch aus dem Tierfachhandel ist weniger fett und daher besser igelverträglich. Erwachsene Igel sollten generell keine Milch bekommen, sie verursacht bei ihnen arge Verdauungsprobleme.

Eine Fachinformation der inatura – Erlebnis Naturschau GmbH, A-6850 Dornbirn
Für den Inhalt verantwortlich: Dr. Klaus Zimmermann

 

 

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