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Glitzernde Kostbarkeiten : Glimmer
Glimmern heisst schwach glühen oder glänzen. Aber von alters her meinte man mit dem Namen einen Blender, der nicht hält, was er verspricht. Daher werden auch manche Glimmerarten abwertend als Katzensilber oder Katzengold bezeichnet. Im Englischen heisst das Mineral mica, von lat. mica = Krümelchen (häufiges Vorkommen in kleinen Blättchen) bzw. micare = funkeln.
Unter der Bezeichnung Glimmer verbirgt sich eine ganze Reihe von Schichtsilikaten. Ihre Grundbausteine sind Aluminium-Silizium-Sauerstoff-Tetraeder, die in Ebenen angeordnet sind. Diese Kristallgitterschichten werden durch Elemente wie Mg, Ca, Na, K, Al u.a. locker zusammengehalten. Als Folge dieses schichtartigen Aufbaus lassen sich Glimmer sehr gut spalten.
Glimmer ist (neben Quarz und Feldspat) Hauptbestandteil von sauren Tiefengesteinen (Granit) sowie Umwandlungsgesteinen (Gneis, Glimmerschiefer).
Muskovit
Der Name bedeutet Moskowischer Stein (Moskau), russischer Stein. Er wurde auch als Russisches Glas bezeichnet - grosse Tafeln von Muskovit wurden in früheren Jahrhunderten als "Fensterglas" oder zum "Verglasen" von Heiligenbildern verwendet.
Muskovit ist ein Kalium-Glimmer von heller, silbrig glänzender Farbe. Er wird deswegen als Hellglimmer bezeichnet. Feinschuppiger Muskovit heisst Serizit, die durch Chrom grün gefärbte Varietät wird als Fuchsit bezeichnet.
Besonders grosse Muskovit-Tafeln sind Bestandteile von Pegmatiten, das sind saure = quarzreiche Ganggesteine. Diese entstehen in der Endphase der Granitbildung. Der grösste Teil des Magmas ist bereits als Granit auskristallisiert. Zurück bleibt eine leichte Restschmelze, sie sich durch Spalten ihren Weg nach oben sucht und erst bei weiterer Abkühlung dort grosse Kristalle bildet. Pegmatite sind gesuchte Edelsteinlagerstätten: Minerale wie Turmalin, Aquamarin oder Topas sind in Hohlräumen im Pegmatit besonders schön und gross ausgebildet.
Als gesteinsbildendes Mineral kommt Muskovit im Glimmerschiefer auch in Vorarlberg in der Silvretta sehr häufig vor.
Verwendet wird das Mineral hauptsächlich als Elektro- und Wärmeisolator in Generatoren, Kondensatoren, elektrischen Lampen usw. Daneben findet er in der Tapetenindustrie Verwendung.
Biotit
Dieser Glimmer hat nichts mit griech. bios = Leben zu tun, sondern ist benannt nach dem französischen Chemiker J.B. Biot (Anfang 19. Jhdt.). Biotit hat eine dunkle, fast schwarze Farbe und wird daher auch Dunkelglimmer genannt.
Biotit kommt gesteinsbildend in vielen magmatischen Gesteinen vor (z.B. in Graniten). Gleich dem Muskovit bildet er in Pegmatiten grosse Tafeln. Hell- und Dunkelglimmer können miteinander verwachsen, wobei die Spaltflächen durch beide Glimmer ohne Unterbrechung hindurchlaufen. In Umwandlungsgesteinen wie Gneis und Glimmerschiefer ist Biotit weit verbreitet.
Durch chemische Verwitterung wird das Mineral leicht angegriffen. Es verliert Glanz und Elastizität und wird mürbe. Im Endstadium der Zersetzung bilden sich Eisenhydroxide und Tonminerale. Wird Biotit als feine Plättchen im Wasser auf Sand abgelagert, so macht er auch dort Veränderungen durch (z.B. Oxydation). Die Farbe nimmt einen goldbraunen Ton an, daher der Name Katzengold. Wirtschaftlich genutzt wird Biotit nicht.
Glaukonit
Griechisch glaukos bezeichnet den hellen Glanz des Himmels, des Meeres, des menschlichen Auges, also blaue und grüne Farbtöne. In der griechischen Mythologie war Glaukos ein Fischer aus Boiotien, der von Okeanos und Tethys durch ein Kraut in einen unsterblichen, weissagenden Meergott verwandelt wurde. Den Argonauten gab er Ratschläge, ebenso dem Menelaos bei seiner Heimfahrt von Troja.
Glaukonit entsteht am Meeresgrund in eher geringer Wassertiefe bei verminderten Ablagerungsraten. Sein Vorkommen ist damit ein wichtiger Hinweis auf die Bildungsbedingen von Sand- und Kalksteinen. Durch Verwitterung wird der hohe Eisenanteil in Hydroxide ("Rost") umgewandelt. Dadurch können sogar Eisenlagerstätten entstehen. Die Zusammensetzung dieses Glimmerminerals kann stark schwanken. Die übliche Farbe des Minerals ist ein dunkles Grün.
In Vorarlberg kommt Glaukonit gesteinsbildend in den Grünsandsteinen des Helvetikums vor (Alter: Unterkreide, ca. 100 Millionen Jahre). Das Gestein wurde früher zu Wetzsteinen und Pflastersteinen verarbeitet. Die unterirdischen Abbaue in Unterklien sind dem modernen Steinbruchbetrieb zum Opfer gefallen. Heute gewinnt das dunkelgrüne, zähe Gestein als Dekor- und Fassadenstein unter dem Namen "Hohenemser Glaukonit" wieder an Bedeutung (z.B. Eingangsbereich Hotel Martinspark, Dornbirn).
Chlorit
Als Chlorit wird eine den Glimmern verwandte Gruppe von Mineralen bezeichnet, die meist feine Plättchen von dunkelgrüner Farbe bilden. Ihr Chemismus schwankt stark. Chloritminerale sind Hauptbestandteil gewisser metamorpher Gesteine wie z.B. Grünschiefer / Chloritschiefer. Daneben kommen Chlorite in alpinen Klüften als loser Sand oder als Überzug auf Kluftwand und Kristallen vor. Grüne Einschlüsse in alpinem Bergkristall bestehen aus diesem Mineral.
Ein besonderes Vorkommen von Chloritschiefer gibt es im Montafon bei St. Gallenkirch. Das Gestein wurde früher von Kindern für Schreibgriffel verwendet. Anfang des 20. Jahrhunderts vor dem 1. Weltkrieg gab es Pläne, dieses Material in grossem Stil abzubauen. Das Gestein wurde zermahlen und mit Bindemitteln (z.B. Leinöl) versehen in Formen gepresst. Diese Kunstprodukte dienten als Isolatoren in der Elektroindustrie. Seltener wurden Ziergegenstände wie Vasen und Schalen, aber auch Grabsteine daraus angefertigt. Auch zur Auskleidung von Öfen wurde das Gestein verwendet. Dem kundigen Auge sind heute noch die Spuren des Bergbaus sichtbar. Auf der Halde findet man Bruchstücke, die mit Feilen und Sägen bearbeitet und poliert werden können.
