inatura Dornbirn

Glitzernde Kostbarkeiten : Gips

Marmaroscher Quarz, Fundort Mellau - © inatura / Peter Wagenplast


Gips ist ein wasserhaltiges Calciumsulfat, CaSO4.2H2O mit etwa 20 % Wasser, das im Kristallgitter in "Schichten" konzentriert ist. Durch diesen Wechsel von Calciumsulfat und Wasser ist Gips sehr gut spaltbar. Die Ritzhärte liegt bei 2 nach der Mohs´schen Skala - Gips kann mit dem Fingernagel geritzt werden. Das Mineral ist farblos-durchsichtig oder weiss, kann aber durch Einschlüsse unterschiedlich gefärbt sein.

Entstehung
Gips entsteht durch Verdunstung von Meerwasser bei Temperaturen unter 42°C - bei höheren Temperaturen kristallisiert der wasserfreie Anhydrit. Dieser kann durch Wasseraufnahme in Gips umgewandelt werden.

Im Laufe der Erdgeschichte wurden immer wieder Meeresbecken von den grossen Ozeanen abgeschnürt. Waren die Temperaturen hoch genug, so konnten diese Becken austrocknen. Dabei bildeten sich nach einer festen Reihenfolge unterschiedliche Minerale: Zuerst Dolomit, dann Gips und Anhydrit, zuletzt unterschiedliche Kalisalze und Steinsalz. In unseren alpinen Salzlagerstätten (Hall in Tirol, Berchtesgaden, Hallein, Hallstatt, usw.) wurden Gips und Steinsalz während der Gebirgsbildung durchmischt. Das Salz wird durch Wasser herausgelaugt, der Gips bleibt im Berg.

Schöne Gipskristalle bilden sich im Ton. Bei der Verwitterung von Pyrit entsteht Schwefelsäure, die mit dem Kalkanteil im Ton reagiert. Ähnliches passiert in Rauchgasentschwefelungs-Anlagen. Der Rauch wird durch eine Kalkbrühe geleitet, die durch den Schwefel langsam zu Gips verwandelt wird.

Auch manche Wüstenböden enthalten Gips. Mineralhaltiges Wasser steigt auf und verdunstet. Der Gips lagert sich um Sandkörner an.

Gips (Marienglas), Fundort: Rellstal - © inatura / Georg Friebe
Gips (Marienglas), Fundort: Rellstal


Gips in Vorarlberg

Auch in Vorarlberg gibt es Gips-Lagerstätten. Vor etwa 220 Mill. Jahren wurden weite Bereiche des sehr flachen Tethys-Meeres abgeschnürt, das Wasser verdunstete. Es entstanden ausgedehnte Gipslagen, die bei der nächsten Überflutung durch Tonschichten und Dolomit zugedeckt wurden. Salz kam nicht zur Ablagerung. Diese Gipsvorkommen sind weitaus jünger als die grossen Salzlager der Kalkalpen (Hallein, Hallstatt, Bad Aussee etc.).

Bei St. Anton im Montafon wurde Gips einst in einem grossen Steinbruch abgebaut, bei Wald am Arlberg in einem ausgedehnten Stollensystem unter Tage. Oberirdisch zeigt sich das Vorkommen dieses Minerals durch Gipstrichter: Gips ist in Wasser (schwach) löslich. Im Laufe der Zeit entstehen unterirdische Hohlräume. Wenn sie einstürzen, bildet sich an der Erdoberfläche eine trichterartige Vertiefung. Gipslöcher gibt es auf der Gampalpe, der Tschengla bei Bürserberg oder (am bekanntesten) bei Oberlech. Einige der grössten Quellen Vorarlbergs kommen aus Gipshöhlen.

Verwendung
Beim Brennen bei 180°C bis 700°C entsteht Stuckgips. Er bindet mit Wasser rasch ab und bildet ein filziges Geflecht feinster Gips-Nädelchen. Über 1000°C entsteht wasserfreier Estrichgips, der nur langsam abbindet, aber dafür verwitterungsbeständiger ist (Mörtelgips). Im Baugewerbe wird dieses Mineral vielfältig eingesetzt.

Namen
Gips, lateinisch gypsum. Herodot berichtet, dass äthiopische Krieger im persischen Heer ihren Körper mit Gips und Rötel bemalten. Auch Leichen wurden in Äthiopien mit Gips überzogen. Im Deutschen ist der Name seit dem 12. Jahrhundert belegt, wurde aber auch für Kalkmörtel verwendet.

Alabaster bezeichnete ursprünglich Salbenfläschchen. Das zugehörige Gestein hiess alabastrites und war meist ein feinkörniger, gebänderter Marmor. Seit dem Mittelalter bezeichnet der Name auch den Stein, einen sehr feinkörnigen, durchscheinenden, weissen Gips. Die Vermischung mit Marmor (unter der gänzlich falschen Bezeichnung "Onyx") ist geblieben.

Fraueneis oder Marienglas sind grosse, durchsichtige Gipskristalle, die in dünne Platten gespaltet werden können. Sie wurden früher zur Verzierung von Marienbildern verwendet. Als Glasersatz diente der Stein jedoch nie - da kam Glimmer zum Einsatz, mit dem er später verwechselt wurde.

Ein anderer Name ist Selenit, der heilige Stein der antiken Mondgöttin Selene. Tatsächlich erinnern Glanz und Schimmer von manchem (Faser-) Gips an das bleiche Licht des Mondes.


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