inatura Dornbirn

Glitzernde Kostbarkeiten : Fluorit

Marmaroscher Quarz, Fundort Mellau - © inatura / Peter Wagenplast


Auch Flussspat genannt. Der Name ist ab Mitte 18. Jhdt. gebräuchlich. Zuvor wurde das Mineral kurz "Fluss" genannt. "Fluss" ist der Vorgang des Fließens beim Erzschmelzen. Der Begriff wurde auf alle Zuschlagstoffe übertragen, die diesen Prozess fördern. Später wurde der Name auf das Mineral Fluorit beschränkt. Weiter Namensherkunft: Ähnlichkeit mit bunten Glasflüssen (Glasschmelze) - Deutung als natürliches Glas. Fluorit: neulat. fluor = Fluss; Flussspat = fluor spatosus.

Fluorit diente (trotz der geringen Härte) neben Glas als "Ersatz" für Edelsteine. So bezeichnete man sowohl rotes Glas als auch roten Fluorit als "Rubinfluss", grünen als "Smaragdfluss".

Typische Kristallformen sind Würfel und seltener Oktaeder. Sehr gute Spaltbarkeit nach den Oktaeder (fast alle im Handel angebotenen Oktaeder sind Spaltstücke). Fluorit kann geschliffen werden (mühevoll da sehr gut spaltbar), ist aber kaum als Schmuckstein in Verwendung, da er zu weich ist.

Vorkommen: Als Begleitmineral ("Gangart") in zahlreichen Erzlagerstätten. 

Fluorit - Oktaeder vom Hocharn, Kärnten


Die Fluorite von Peru beispielsweise sind subvulkanisch, d.h. nahe an der Oberfläche aus der vulkanischen Restschmelze / fluide Phase kristallisiert. Durch die rasche Abkühlung können Mineralparagenesen unterschiedlicher Temperaturbereiche nebeneinander auftreten, die normalerweise bei Aufstieg und langsamer Abkühlung übereinander vorkommen.

Zur Entstehung der Vorarlberger Fluorite (Ludesch, Udelberg, Staufen, Mellau, Hirschberg, Schröcken u.a.) gibt es noch keine Untersuchungen.

Beim Eindampfen von Meerwasser wird bei schon geringer Erhöhung der Salinität (lange vor Anhydrit und Gips) Fluorit ausgeschieden. Die Kristalle sind unscheinbar und bilden einen Bestandteil des Sediments. Erst bei der Gebirgsbildung kann der Fluorit mobilisert werden und bildet dann in Spalten schöne Kristalle (begleitet von Calcit und selten auch Quarz). Die Fluorite im Hauptdolomit (Gestein der Gezeitenzone !) von Ludesch und Schröcken sind sehr wahrscheinlich auf diese Art entstanden.

Fluorit - Fundort: Mellau - © inatura / Georg Friebe
Fluorit - Fundort: Mellau


Thermolumineszenz
Benötigt wird ein völlig verdunkelter Raum und eine Herdplatte. Beim Aufheizen beginnt der (blaue oder violette) Fluorit zu leuchten (ab ca. 50°C). Gleichzeitig verliert er seine Farbe. Umgekehrt erhält ein "ausgeheizter" Fluorit seine Farbe zurück, wenn er radioaktiv bestrahlt wird.

Schlussfolgerung: Fluorit bekommt seine Farbe nicht nur durch Einbau von Spurenelementen, sondern auch durch Störungen im Kristallgitter bei Zufuhr von (radioaktiver) Energie. Beim Erhitzen wird das zerstörte Kristallgitter wieder regeneriert, die gespeicherte Energie wird in Form von sichtbarem Licht wieder abgegeben. Ein einmal aufgeheizter Fluorit wird bei abermaliger Erhitzung nicht mehr leuchten!

Verwendung
In der Optik: Der Stein muss extrem farblos sein. Seit 1968 wird ausschliesslich künstlicher Fluorit verwendet. Ist für manche Anwendungen ist Fluorit weitaus besser geeignet als das beste optische Glas.

Die "Murrinischen Gefäße" bei Plinius waren wahrscheinlich aus violett gebändertem Flußspat. Sie waren zeichen von extremem Luxus. Daher gab es Versuche, sie aus Glas nachzuahmen.

In der 1. Hälfte 19. Jhdt. wurden in England (Derbyshire) Flußspatgefässe (Vasen, Schalen, Leuchter u.a.) hergestelt. Das Material wurde bezeichnet als "Blue John".

Ab Ende des 18. Jhdt. wird Fluorit als Flussmittel für die Erzverhüttung abgebaut ("Hüttenspat"). Wölsendorf / Oberpfalz war 1. Hälfte bis Mitte des 20. Jhdt. der größte Flußspatbergbau der Welt.

Für die Chemische Industrie zur Gewinnung von Flour (von Flusssäure bis zu Fluor-Zusätzen in Zahnpasta und Zuschlagstoffen in Raketentreibstoff). In den 70er-Jahren sorgte der hohe Bedarf an Fluorkohlenwasserstoffen (Treibgase für Spraydosen) für einen Engpass am Fluorit-Markt.

Hochreiner Flußspat wird als Zuschlagstoff in der Glas- und Email-Industrie verwendet.


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