inatura Dornbirn

Ein "exotisches" Fossil aus Kennelbach

Schnecke Actaeonella aus Kennelbach - © inatura / Georg Friebe

  
Die versteinerte Schnecke mit der Inventarnummer P.20908 vom Fundort Kustersberg bei Bregenz / Kennelbach dürfte es eigentlich gar nicht geben! Denn das Fossil namens Actaeonella stammt aus der oberen Kreide, der Zeit der Dinosaurier. Doch die Sandsteine und Konglomerate des Pfänderstocks sind mit ca. 17 bis 20 Millionen Jahren weitaus jünger! Gesteine, in denen die Schnecke normalerweise vorkommt, finden wir in Vorarlberg gar nicht! Wie also kommt die Schnecke nach Bregenz?

Während der alpidischen Gebirgsbildung wurde ein Mikrokontinent, die Apulische Platte, auf Europa geschoben. Durch diese Belastung sank der damalige Südrand der Europäischen Platte ab: Eine Vortiefe entstand nördlich der langsam emporsteigenden Alpen - die Molassezone. Dieser Meeresbereich wurde rasch mit dem Abtragungsschutt des jungen Gebirges gefüllt. Am Gebhardsberg ist das Delta eines Flusses erhalten, der seine Geröllfracht aus den Alpen in das Molassemeer schüttete. Viele Gerölle aus den Konglomeraten lassen sich mit den heute noch erhaltenen Gesteinseinheiten weiter im Süden vergleichen. Doch immer wieder finden sich "exotische Gerölle". Sie geben uns Auskunft über Gesteine, die heute vollständig der Erosion zum Opfer gefallen sind. Daher sind sie wichtige Puzzle-Steine für die Rekonstruktion der Geschichte der Alpen!

Das gilt auch für unsere Actaeonella. Sie stammt aus der so genannten Gosau. Diese Gesteinseinheit wurde auf der Apulischen Platte über den Nördlichen Kalkalpen abgelagert. Das westlichste erhaltene Vorkommen ist die Muttekopf-Gosau in Tirol. Weiter im Osten werden Gosau-Gesteine häufiger. Mitunter sind sie sehr fossilreich und führen (neben Actaeonella) Muschelriffe, Einzelkorallen und eine ganze Reihe weiterer, bei Sammlern beliebter Fossilien. In Vorarlberg ist die Gosau vollständig erodiert. Unsere Schnecke ist der einzige, dafür aber umso überzeugendere Beweis, dass diese Gesteine einst auch irgendwo zwischen Lech und Drei Schwestern zu finden waren.
  

Sammlungszettel aus dem Landesmuseum von Josef Blumrich


Dass sich das Fossil heute in unserer Sammlung befindet, verdanken wir der Umsicht von Josef Blumrich. Blumrich lehrte Anfang des 20. Jahrhunderts nicht nur am Gymnasium Bregenz, sondern betreute auch die erdwissenschaftliche Sammlung am Vorarlberger Landesmuseum. Seine Aufsammlungen im Pfändergebiet trugen wesentlich zur Erforschung der Fossilien aus der Molassezone bei. Die exotische Versteinerung musste einem Fachmann wie Blumrich natürlich auffallen. So gelangte sie ins Landesmuseum und wurde schliesslich 1958 an die neu gegründete Vorarlberger Naturschau übergeben.

 

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