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Eine Qualle aus dem Bodensee
Am 08. September 1999 wurde im Auhafen Hard eine Süsswasserqualle (Craspedacusta sowerbyi) gefangen. Dies ist der erste Fund dieser Tierart im österreichischen Bodenseegebiet!
Quallen gehören zum Stamm der Nesseltiere (Cnidaria). Sie kommen fast ausschliesslich im Meer vor. Die Nesselzellen ihrer Fangarme enthalten Giftstoffe. Berührungen mit manchen Arten können für den Menschen sehr schmerzvoll werden und in seltenen Fällen sogar zum Tod führen. Die Quallen in unseren Gewässern sind hingegen für den Menschen ungefährlich.
Die Süsswasserqualle Craspedacusta stammt eigentlich aus dem tropischen Südamerika. Sie wurde in botanischen Gärten mit der Riesenwasserrose Victoria regia eingeschleppt und um 1880 in Kew Gardens bei London erstmals entdeckt. Das durchscheinende Tier (= Meduse) misst etwa 2 cm im Durchmesser. Am Rand des Schirms sitzen bis über 500 Tentakel mit Nesselzellen. In der Mitte befindet sich ein vierkantiger Magenstiel, der in vier Mundlappen ausläuft. Unter der Schirmglocke liegen außerdem vier längliche Keimdrüsen (Hoden oder Ovarien).
Die Meduse lebt an flachen Uferzonen, wo sie Kleinkrebsen und Rädertierchen nachstellt. Sie steigt immer wieder zur Wasseroberfläche auf und lässt sich dann wieder langsam absinken. Beim Steigen hängen die Tentakeln herab, beim Sinken richten sie sich auf.
Bemerkenswert ist die Fortpflanzung: Quallen entwickeln sich ungeschlechtlich an einem winzigen, am Boden lebenden Polypen (dieser wurde früher als eigene Art beschrieben!). Der Polyp wird 1 bis 2 mm lang und hat keine Fangarme, sondern nur einige Nesselkapseln um die Mundöffnung. Die Vermehrung kann auf 3 Arten erfolgen:
- Querteilung und Abschnürung weiterer Polypen
- Abschnürung von Gewebeteilen (Frusteln), die davon kriechen und wiederum zu Polypen werden
- Aus Seitenknospen entstehen Medusen. Diese lösen sich mit 1 mm Größe ab. Mit 9 mm Durchmesser werden sie geschlechtsreif. Sie erzeugen dann Eier, die im Wasser befruchtet werden. Daraus entwickeln sich Larven, die sich später festsetzen und zu Polypen heranwachsen.
Weltweit sind erst wenige Arten von Süsswasserquallen entdeckt worden. Umso bedeutender ist dieser Erstnachweis am österreichischen Bodenseeufer!

