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Forum Naturwissen 2010 - Die Beiträge

Die Vorträge
Höhlen und Tropfsteine – Fenster in die Vergangenheit der Alpen
Univ.-Prof. Mag. Dr. Christoph Spötl
Univ. Innsbruck, Institut für Geologie – Innrain 52, A-6020 Innsbruck
Höhlen sind faszinierende Gebiete unserer Heimat, wo es jährlich zahlreiche Neuentdeckungen gibt, die jedoch meist nur einem kleinen Kreis an Forschern bekannt sind. Auch die moderne Wissenschaft hat die Höhlen entdeckt: Auf der Suche nach "Archiven" unserer Klima-Vergangenheit sind Geowissenschafter in der "Unterwelt" fündig geworden. Dieses Referat gibt einen Überblick über diese Richtung der historischen Umwelt- und Klimaforschung und zeigt erstmals auch spannende neue Daten aus Vorarlberger Höhlen.
Pollenanalysen zur Vegetations- und Klimageschichte des Bregenzer Waldes
Univ.-Prof. Mag. Dr. Klaus Oeggl
Univ. Innsbruck, Institut für Botanik – Sternwartestraße 15, A-6020 Innsbruck
Pollenanalytische Untersuchungen an zwei Bohrkernen aus dem Moor Salgenreute bei Krummbach im Vorderen Bregenzer Wald liefern neue Erkenntnisse über die Vegetations- und Klimageschichte des Alpenraumes im frühen Holozän von ca. 11.500 bis ca. 5.000 Jahre vor heute. Die Basisproben aus dem Ton sind noch dem Spätglazial zuzuordnen. In dieser nur 20 cm mächtigen Schicht ist die spätglaziale Vegetationsentwicklung bis zum Beginn des Holozäns nur generell erfasst. Mit einer Torfablagerung, die in 295 cm Tiefe um 9.890±40 BP (11.300 cal. BP) einsetzt, wird die klimatisch noch instabile Phase im Präboreal detailliert aufgeschlüsselt. Dabei wird zum ersten Mal die präboreale Oszillation (ca. 11.100 cal. BP) und eine weitere Klimaungunst zwischen 10.800 und 10.500 cal. BP erfasst. Anschließend folgt die Massenausbreitung der Hasel und Eichenmischwaldarten entsprechend der mitteleuropäischen Grundsukzession. Kurz nach der Einwanderung und Ausbreitung der Tanne unterbricht eine Lücke das Profil für 3000-4000 Jahre. In den Schichten darüber bildet sich die anthropogene Beeinflussung der Vegetation der letzten Jahrhunderte ab.
BP = before present / vor heute
cal. = kalibriert, d.h. korrigiertes 14C-DatumGIS-Auswertungen
"Ehrenamtliches Vogelmonitoring in Baden-Württemberg: Rückblick, Methodik und erste Ergebnisse"
Dipl.-Biol. Alfons Krismann
Institut für Landschaftsökologie und Naturschutz (ILN) Singen – Burgstrasse 15, D-78224 Singen
Neben Rasterkartierungen und Punkt-Stopp-Begehungen wird seit 2003 in Baden-Württemberg das bundesweit angewandte Stichprobenverfahren "Qualifizierte Linienkartierung" zur Beurteilung der Vogelwelt in der "Normallandschaft" durchgeführt. Die Untersuchungen basieren auf dem Engagement von ehrenamtlichen Ornithologen. Die Ziele sind ambitioniert: der Nachhaltigkeitsindikator "Artenvielfalt" der Bundesregierung gründet sich allein auf diese ehrenamtlichen Kartierungen. Forschungsprojekte zum Klimawandel bedienen sich ebenfalls dieser Daten. Der Vortrag stellt ausführlich die angewandten Methodiken vor und zeigt erste, bislang unveröffentlichte Ergebnisse aus Baden-Württemberg. Daneben geht es auch um die Fragen, warum hier ausschließlich ehrenamtliche Daten herangezogen werden, wie dies geschieht und welche Vor- und Nachteile sich daraus ergeben.
Kleinsäuger im Rheindelta
Mag. Christoph Walder / Mag. Anton Vorauer
ecotone - Vorauer & Walder OEG – Eschenweg 6, A 6064 Rum
Das Rheindelta und das untere Rheintal Vorarlbergs wurde in den vergangenen Jahren säugetierkundlich erforscht. Allein sechs verschiedene Arten an Spitzmäusen wurden nachgewiesen, insgesamt kommen acht der neun österreichischen Arten im Untersuchungsgebiet vor. Weiters dürfte das Gebiet eines der letzten größeren westösterreichische Vorkommensgebiete der Zwergmaus sein, die in den röhricht- und hochstaudenreichen Lebensräumen gute Bedingungen vorfindet. Im Vortrag werden die Auswertungen der Studie präsentiert, die Erkenntnisse über das Artenspektrum an Kleinsäugetieren und Fledermäusen, deren räumliche Verbreitung, ökologische Ansprüche und jahreszeitliches Auftreten im Untersuchungsraum erbrachte und Basis für den Schutz und das Management dieser Arten ist.
Die kalkreichen Niedermoore des Walgaus
Mag. Andreas Beiser
Mariengasse 26/18, A-1170 Wien
In den Jahren 2008 und 2009 wurde im Rahmen eines von der inatura finanzierten Forschungsprojekts eine detaillierte Untersuchung der Rieder bzw. Streuewiesen vornehmlich der Hanglagen des Walgaus vorgenommen. Der Fokus lag dabei auf der vegetationskundlich-floristischen Dokumentation der Kalkreichen Niedermoore (Caricion davallianae) und anverwandter Lebensraumtypen, sowie der Erhebung der Verbreitung seltener und gefährdeter Gefäßpflanzen. Im gegenständlichen Vortrag wird ein kurzer Einblick in die Ergebnisse dieses Projekts gegeben, wobei jene zur Verbreitung der beiden österreichweit vom Aussterben bedrohten und in den Anhängen der Flora-Fauna-Habitatrichtlinie gelisteten Orchideen Glanzstendel (Liparis loeselii) und Sommer-Drehwurz (Spiranthes aestivalis) sicherlich zu den interessantesten zählen.
Die Poster
Aktueller Stand der Höhlenforschung in Vorarlberg
Emil Büchel
Karst- und höhlenkundlicher Ausschuss des Landesmuseumsvereins
Anhand von Übersichtskarten und Höhlenplänen werden die derzeitigen Forschungsschwerpunkte des Karst- und höhlenkundlichen Ausschusses in den Gebieten Sulzfluh/Weissplatte (Rätikon) und Hirschberg (Bregenzerwald) vorgestellt. Vergleiche mit den längsten und tiefsten Höhlen in Vorarlberg und in Österreich stellen die untersuchten Objekte in einen weiteren Rahmen. Zum Poster (PDF Datei)
Wiederansiedlung von Bodenseevergissmeinnicht und Strandschmiele
Mag. Markus Grabher / Mag. Maria Aschauer
UMG Umweltbuero Grabher, Bregenz
Bodensee-Vergissmeinnicht (Myosotis rehsteinerei) und Strandschmiele (Deschampsia littoralis), zwei endemische Pflanzenartenarten auf nährstoffarmen Kiesufern des Bodensees, sind durch Uferverbauungen vom Aussterben bedroht. In den vergangenen Jahren wurden auch in Vorarlberg einige Uferabschnitte renaturiert. Die beiden bedrohten Pflanzenarten wurden vermehrt, um sie an geeigneten Uferabschnitten wieder anzusiedeln. Daher erfolgte eine Bewertung sämtlicher Kiesufer des Vorarlberger Bodenseeufers hinsichtlich ihrer Eignung als Lebensraum für diese bedrohten Pflanzenarten.
Geologische Notizen zur Römersiedlung Brigantium (Bregenz – Ölrain, Grabung Böckle-Areal)
Dr. Georg Friebe
inatura Erlebnis Naturschau GmbH, Dornbirn
Die Ölrainterrasse wurde späteiszeitlich während des Zerfalls des Eisstromnetzes zwischen dem Grundgebirge am Pfänder und Gebhardsberg, dem nördlich des Molasse-Inselberges Riederstein (Riedenburg – Funkenbühel) liegenden Rest des Rheingletschers, sowie einer Eismasse im heutigen Feldmoos abgelagert. Dieses eisfreie Gebiet diente als "Auffangbecken" für Schotter und Sand, der zum geringeren Teil vom Gletscher selbst, hauptsächlich aber von der Bregenzerach geschüttet wurde. Die über dem Talboden liegende, ebene Terrassenfläche bot sich als Siedlungsgebiet an.
Obwohl die Terrasse selbst aus Schotter besteht, wurde sie nicht zur Gewinnung von Baumaterial abgebaut. Straßenpflaster und Mauerwerk bestehen aus Geröllen der Bregenzerach. Quellsinter wurde kaum verwendet, Molassesandstein nur bei speziellen Anforderungen eingesetzt. Als Kuriosum führt eine Mauer gebrannte Kieselkalkgerölle, die wohl irrtümlich zum Kalkbrennen verwendet wurden. Aufgrund ihres hohen Quarzgehaltes waren sie nicht zur Gewinnung von Mörtel geeignet und wurden in bereits gebranntem Zustand als Baumaterial genutzt. Zum Poster (PDF Datei)
Die Witterung in der 5-jährigen Periode 1997 bis 2001
Dr. Richard Werner & Esra Cetiner
Rheticus-Gesellschaft
Anhand von Monatsmittelwerten in Vorarlberg: Niederschlagsindex, Temperaturabweichung und weitere Meteo-Elementen wird die Witterung mit monatlicher Kennzahlen bestimmt. Ein besonderes Augenmerk wird auf die Schwankungsvorgänge gelegt. Besonders stark abweichende Monate werden über die 60 Monaten hinweg vorgestellt werden.
Heizgradtage im Alpenrheintal von 1950 bis 2009
Arnold Tschofen
Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG), Bregenz
Für 60 Winter mit den Heizperioden wird der Energiebedarf in Heizgradtagen nach der ÖNORM bestimmt. Die Erwärmung der Erde zeigt sich auch in Heizperioden mit geringerem Heizbedarf. Eine quantitative Aussage zur Herabsetzung des Energiebedarfs in der Raumheizung wird in der Analyse aus den sechs Dekaden gegeben.
Zur Holzheizung in Schwedenöfen
Simon D. Spöttl, Pascal Fitz & Joachim Pfister
HTL Dornbirn
Die Verbrennung von Stückholz in den Öfen wird auf den Verlauf von Abgasparametern untersucht. Die Abgastemperaturen die Kohlenmonoxidkonzentrationen (mgCO/m³) und Staubemission bei verschieden Betriebsweisen modernster Schwedenöfen wurden in mehreren Versuchen minutiös aufgezeichnet. Das Verhalten der Abgase und ihre Bandbreite bei den Verbrennungsparametern wird vorgestellt.
Solare Einstrahlung und Strom aus der Sonne
Dr. Richard Werner & Ing. Walter Hämmerle
Institut für Umwelt und Lebensmittelsicherheit, Bregenz
Von 30 Tagen Globalstrahlung und 30 Tagen Stromertrag wird die Gewinngleichung ermittelt. Die reele Anlage in Hohenweiler liefert Grundlagen für eine Studie zum Nutzungsgrad der Sonnenstrahlung. Zudem erfolgt eine Nullmessung zur Alterung von Solarpaneelen im Leiblachtal.
Kleinseen in Vorarlberg
Mag. Lucia Walser & Dipl.-Ing. Gerhard Hutter
Institut für Umwelt und Lebensmittelsicherheit, Bregenz
Vorarlberg ist ein wasserreiches Land. Nicht nur Flüsse und Bäche prägen das Landschaftsbild - auch eine Vielzahl an unterschiedlichen Seen sind anzutreffen. In Vorarlberg gibt es neben unzähligen Kleinstgewässern wie Tümpel und Teiche rund 250 Kleinseen mit einer Fläche größer 0,1 Hektar. Von diesen Gewässern besitzen 75 Seen eine Wasserfläche größer als 1 Hektar, welche im Rahmen eines Seen-Monitorings überwacht werden. Das Poster gibt Auskunft über den derzeitigen Stand der Dokumentation und wo die Ergebnisse zu finden sind.
Reichhaltiges Erfahrungswissen über pflanzliche Vielfalt – „BioCultural Diversity“ im Biosphärenpark Großes Walsertal
Dipl. Ing. Susanne Grasser, Dipl.-Ing. Christoph Schunko, Univ.Prof. Dipl.-Ing. Dr. Christian R. Vogl
Department für Nachhaltige Agrarsysteme, Universität für Bodenkultur
Im Biosphärenpark Großes Walsertal ist die Vielfalt an wild gesammelten Pflanzenarten sehr groß. Das lokale Erfahrungswissen über Pflanzen und die Mannigfaltigkeit an Vorlieben für ihre Verwendung ist kulturelles Erbe. Es beinhaltet Erfahrungen und Weisheiten über die Beziehung der vielfältigen Elemente von Natur und Kultur (BioCultural Diversity). Ziel des Projektes ist es mit inter- und transdisziplinären Methoden die Vielfalt der von den Einheimischen wild gesammelten Pflanzen aufzuzeigen. Die damit verbundenen Vorlieben, Gebräuche und Verwendungen sollen als Ausdruck kulturellen Erbes dokumentiert und die Wissensweitergabe zwischen den Generationen gefördert werden.
Der Kormoran im Rheindelta – Bestandsentwicklung & Verbreitung
Vera Leib
Naturschutzverein Rheindelta
Dargestellt wird die Bestandsentwicklung des Kormorans Phalacrocorax carbo sinensis im Rheindelta für die Brutsaison 2009 sowie die Bestandsentwicklung seit der Etablierung der Brutkolonie in der Fußacher Bucht 2001. Zusätzlich wurde in Zusammenarbeit mit der Vogelwarte Radolfzell mittels telemetrischen Untersuchungen das Flugverhalten dieser Kormorane erforscht. Sowohl die Wanderung einiger Jungvögel als auch die Aufenthaltsorte eines Altvogels konnten im Sommer 2009 dokumentiert werden. Zum Poster (PDF Datei)
