Inhalt
Andalusit von der Heimspitze / Gargellen
Während die mineralogische Landkarte Vorarlbergs in den nördlichen und zentralen Teilen unseres Landes eher eintönig wirkt, können die kristallinen Schiefer der Montafons mit einer weitaus höheren Vielfalt an Mineralien aufwarten. Grosse Kristalle freilich sind selten - mit einer Ausnahme: Die Andalusite der Heimspitze haben schon vor mehr als 100 Jahren das Interesse nicht nur der Feldkircher Jesuitenpatres der Stella Matutina auf sich gezogen!
Das nach der spanischen Provinz Andalusien benannte Mineral besteht (neben Sauerstoff) aus Aluminium und Silizium und gehört damit zur Gruppe der Alumosilikate. Typische Kristalle bilden viereckige Säulen, deren Seitenflächen aber nicht rechtwinkelig zueinander stehen. Als Abschluss der Säule kann ein schräges "Dach" ausgebildet sein. Gerade die Montafoner Andalusite sind ungewöhnlich flächenreich.
Andalusit ist in Säuren unlöslich und widersteht Temperaturen bis 1380°C. Auch bei höheren Temperaturen schmilzt er nicht, sondern wird in ein anderes Mineral, den Mullit, umgewandelt. Andalusit findet daher bei der Herstellung feuerfester Baustoffe Verwendung.
Nutzbare Lagerstätten finden sich vorwiegend im Kontakt zu Graniten. Durch das Eindringen des flüssigen Magmas wurde das tonige Umgebungsgestein aufgeheizt und umgewandelt. In den Alpen waren jedoch andere Prozesse für die Entstehung der Andalusite verantwortlich. Während der Gebirgsbildung wurden Gesteinspakete in grosse Tiefen versenkt. Die erhöhte Temperatur und die Durchbewegung führten schliesslich zur Gesteinsumwandlung.
In den Glimmerschiefern und Gneisen der Zentralalpen ist Andalusit oft in Form von millimeterkleinen, unscheinbaren Körnchen vertreten. Unsere mehrere Zentimeter grossen Kristalle von Gargellen sind in Quarzlinsen innerhalb der Glimmerschiefer eingewachsen. In diesem fast weissen Umfeld fallen sie als hell fleischfarbene (nach anderer Meinung pfirsichblütenrote) Flecken auf. An der Grenze zum Glimmerschiefer sind sie jedoch von Glimmerplättchen überzogen und teilweise auch von diesen Mineralien durchwachsen. Diese umgewandelten Kristalle sind an ihren mehr grünlichen Farbtönen und ihre geringere Härte erkennbar. In einigen Tiroler Vorkommen im Sellrain- und Pitztal wurde der Andalusit fast vollständig von Hellglimmer verdrängt. Die Kristalle sind dort nur noch als Formrelikte ("Pseudomorphosen") erhalten.
