Inhalt
Ein lateinamerikanischer Ammonit im Ländle

"Hauptvorkommen in Südamerika, in Europa sehr selten" – so lautet die Verbreitungsangabe zur Ammonitengattung Tegoceras. Dennoch zählt ein Vertreter dieser Gattung zu den Neuerwerbungen 2005 der inatura. Und selbstverständlich stammt er aus Vorarlberg, genauer aus Klaus. Was für eine Seltenheit da bei einer Exkursion des BG Feldkirch entdeckt worden war, konnte an der Fundstelle nur erahnt werden. Erst in der Bibliothek fanden sich Hinweise zur Bestimmung und damit zur Verbreitung. Die weitere Bearbeitung erfolgte durch einen Spezialisten: Emmanuel Robert (Institut Dolomieu, Grenoble) studiert genau diese Gattung. Ein Abguss wurde verschickt, und kurz darauf war der Ammonit bestimmt: Als Tegoceras mosense (d'Orbigny, 1841) sensu Latil (1992) ist er nun in unserer Inventar-Datenbank vermerkt.
Etwa 105 Millionen Jahre alt ist das Fossil. Damals lagen weite Teile des heutigen Vorarlbergs am Südrand Europas unter Wasser. So um die 200 Meter wird das Meer tief gewesen sein – zu tief für Austernbänke und Korallenriffe. Ammoniten (Gehäuse tragende Vorläufer der Tintenfische) zählten zu den Hauptbewohnern des offenen Schelfmeeres. Durch Bodenströmungen wurden ihre Schalen angereichert: Die Überreste der Tiere wurden durch Phosphorit imprägniert. Damit wurden sie zu schwer, um vom Wasser verfrachtet zu werden. Der Sand und Schlamm aber wurde ausgeschwemmt. So entstand eine reiche Fossillagerstätte.
Seit den 1920er-Jahren sind diese Ablagerungen Ziel von Fossilsammlern – allen voran Siegfried Fussenegger, dessen Funde auch heute noch den Grundstock der wissenschaftlichen Sammlung der inatura bilden. Dass trotzdem längst noch nicht alle Geheimnisse dieser Gesteinsschicht gelüftet sind, beweist dieser seltene Neufund.